Basler Credit Suisse warnt ihre Gäste

Die Basler Credit Suisse geht bei Kundenanlässen auf Nummer sicher: Mit jeder Einladung wird auch der Hinweis verschickt, dass man am Anlass als potentieller Kunde erkannt werden könnte. Reine Vorsichtsmassnahme, heisst es bei der CS. Die UBS verzichtet auf solche Warnungen.

Ob FCB-Match oder Vorfasnachtsveranstaltungen wie «Charivari» oder «Pfyfferli»: Die Grossbank Credit Suisse lädt regelmässig zu Kundenanlässen dieser Art ein. Auf den Einladungskarten steht dann immer auch «Wichtige Information». Es sind zwanzig Zeilen Kleingedrucktes, mit denen sich die Bank absichert.

Wörtlich heisst es dort unter anderem: «Bitte seien Sie sich bewusst, dass Dritte aufgrund Ihrer Teilnahme am Event auf eine bestehende oder potenzielle Bankbeziehung mit einem Unternehmen der Credit Suisse Group schliessen können...» Konkret werden die Gäste darauf aufmerksam gemacht, dass sie am Anlass als CS-Kunde erkannt werden könnten.

Absichern vor Anklage

«Es ist kein Misstrauen gegenüber den eingeladenen Gästen, sondern eine eigene Absicherung», sagt Bernhard Fischer, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft der CS in der Region Nordschweiz. Konkret: Die CS sichert sich ab, um später nicht von jemandem wegen Verletzung des Bankgeheimnisses eingeklagt zu werden.

Aber warum genau? In den letzten Jahren kam das Bankgeheimnis in der Schweiz immer mehr unter Druck. Andere Länder akzeptieren nicht mehr, dass reiche Ausländerinnen und Ausländer ihr Geld in der Schweiz verstecken und am Fiskus vorbeischleusen. Steuerfahnder sind unterwegs.

Es sei auch schon vorgekommen, dass deutsche Steuerfahnder vor der Basler CS-Filiale die Autoschilder von vorfahrenden Kunden fotografiert hätten, beschreibt Fischer die Situation in der Grenzstadt Basel. Es gehe aber auch um Schweizer Kunden, wo beispielsweise Nachbarn nicht erfahren möchten, bei welcher Bank jemand sein Konto führt.

Die Credit Suisse will mit dieser Warnung auf der Einladung nicht ihre Kunden mit allfällig unversteuertem Geld schützen. Im Gegenteil: «Die CS hat grundsätzlich eine Weissgeldstrategie. Wir gehen davon aus, dass bei unseren Kunden alles legal ist», betont Bernhard Fischer. Der Warnhinweis sei eine freiwillige Vorsichtsmassnahme und nicht etwa eine Vorgabe der Finanzmarktaufsicht.

UBS verzichtet auf Warnung

Die Basler Kantonalbank und die UBS verzichten bei ihren Anlässen auf ähnliche Warnungen. UBS-Regionalleiter Samuel Holzach: «Auf unseren Einladungen verzichten wir bewusst auf solche Hinweise. Wir wollen die Gäste einladen und nicht warnen.»

Ausserdem bedaure er das Aufkommen von «amerikanischen Verhältnissen», in denen der «mündige Mensch» ständig gewarnt werden müsse, fährt Samuel Holzach fort. Hier stimmt ihm Bernhard Fischer von der CS zu: «Ich finde es schade, dass man sich überall absichern muss, um im Nachhinein nicht angeklagt zu werden.»

Die Situation wird übereinstimmend bedauert, Credit Suisse und UBS gehen mit dem Thema aber unterschiedlich um. Die CS sichert sich mit dem Warnhinweis ab, die UBS setzt auf die Mündigkeit der Gäste.

(Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr)