Basler Rheingasse: Ausgangsmeile oder Wohnstrasse?

An warmen Sommerabenden wimmelt es nur so von Menschen in der Rheingasse. Doch was die Nachtschwärmer freut, hat auch Schattenseiten. Lärm belastet die Anwohner, die auf ihr Recht auf Nachtruhe pochen. Eine beinahe unlösbare Aufgabe für die Behörden.

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Bildlegende: Open-Air-Konzerte, Quartierfeste und Strassencafés gehören längst zum Inventar des urbanen Sommers. ZVG

Die Nachtschwärmer lieben die Rheingasse. Sie flanieren durch die Strasse, treffen Freunde, geniessen ihr Bier. Das war nicht immer so. Die Rheingasse hat sich radikal verändert. Seit einem Jahr ist sie autofrei - und wo vorher parkierte Autos standen, reiht sich nun ein Strassencafé ans andere.

In einem dieser Cafés sitzt Franz Xaver Leonhardt. Er betreibt das Hotel Krafft und eine Weinbar - und gerät ins Schwärmen über den Wandel der Rheingasse: «Es ist eine friedliche Atmosphäre, die Leute sprechen miteinander, es ist gemütlich, man kennt und trifft sich.»

Für ihn ist die Rheingasse eine Erfolgsgeschichte. Es gebe jedoch einen Wermutstropfen: die Öffnungszeiten. Unter der Woche ist bei den Strassenrestaurants um 22 Uhr Schluss. Den Unternehmer stört dies: «Für eine weltoffene Stadt ist es nicht angebracht, die Gäste nach 22 Uhr nach drinnen zu bitten.» Und darum fordern die Beizer, dass sie ihre Gäste bis um Mitternacht draussen bewirten dürfen.

Eine Forderung mit Zündstoff

Es gibt in der Rheingasse aber auch Leute, die sich als Verlierer fühlen beim Wandel, den die Strasse hinter sich hat. Zum Beispiel Gérmaine Eze. Sie wohnt direkt über einem Boulevard-Restaurant. Längere Öffnungszeiten - dagegen wehre sie sich. Schon heute sei, trotz offiziellem Zapfenstreich um 10, bis tief in die Nacht Lärm in der Gasse. «Es gibt Wirte die sich nicht an die vorgegebenen Öffnungszeiten halten und bis nach Mitternacht offen haben.»

Gérmaine Eze hat sich daher mit 60 anderen Anwohner zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die gegen längere Öffnungszeiten kämpft. Auch ihr Nachbar Urs Zschokke ist dabei. Er sagt: Die Anwohner seien keine intoleranten Stänkerer - auch wenn ihnen das häufig unterstellt werde. Viele von ihnen würden die Rheingasse noch aus Zeiten kennen, als hier die Drogenszene war - und hätten dies auch ausgehalten.

«  «Es soll nicht totenstill sein, aber es ist eine Frage des Masses. Es gibt ein Interessenkonflikt zwischen den Bedürfnissen der Gastronomie und den Anwohnern.» »

Urs Zschokke
Anwohner

Es ist ein Interessenkonflikt, der typisch ist für Städte. Was ist wichtiger? Eine lebendige Innenstadt, wo viele Leute ihre Freizeit verbringen - oder die Bedürfnisse der Leute, die in der Stadt wohnen und nachts schlafen möchten?

Attraktive Ausgangsmeile

Beide Anliegen sind legitim - und das macht es so schwierig, den Konflikt zu lösen. Das weiss auch der zuständige Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, der entscheiden muss über die Öffnungszeiten. Er sagt: Er setze darauf, dass sich die Gemüter beruhigen. Es sei normal, dass sich alle Beteiligten erst noch an den Wandel in der Rheingasse gewöhnen müssten.

Und so hofft der Regierungsrat, dass die Wirte künftig nach dem Zapfenstreich besser als heute für Ruhe sorgen in der Rheingasse. So würden vielleicht auch die Anwohner irgendwann längere Öffnungszeiten akzeptieren.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)