«Die Pflege von Sterbenden gehört zum Lebendigsten, das es gibt»

Hans-Rudolf Stoll (63) leitete die Pflege von Krebspatienten am Basler Universitätsspital, nun geht er im Pension. Im Interview spricht er über das Leben und Sterben - und erzählt, wie er sich seinen eigenen Tod vorstellt.

Hans-Peter Stoll, Pflegefachmann am Basler Universitätsspital. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hans-Rudolf Stoll, Pflegefachmann am Basler Universitätsspital. zVg

Hans-Rudolf Stoll war seit 1999 Pflegeleiter der Klinik für Onkologie am Universitätsspital Basel, in den Pflegewissenschaften gilt er als Koryphäe. Vergangene Woche hatte er seinen letzten Arbeitstag im Spital. Als Spitex-Mitarbeiter betreut er aber weiterhin Krebspatienten in ihren eigenen vier Wänden.

Die Betreuung von schwer kranken Menschen fasziniere ihn, erzählt Hans-Rudolf Stoll im Interview. «Es klingt paradox, aber ich finde, dass die Pflege von sterbenden Krebspatienten und die Betreuung ihrer Angehörigen zum Lebendigsten gehört, das es gibt.» In dieser Phase des Lebens habe niemand mehr die Energie, um Konflikte unter dem Teppich zu halten. «Daran teilhaben zu dürfen und den Leuten helfen zu können, ist faszinierend.»

Der Tod sei für ihn trotzdem nie zu etwas Normalem geworden, sagt Hans-Rudolf Stoll. «Seit 31 Jahren mache ich Hausbesuche und bin dabei, wenn Leute sterben, und trotzdem ist es jeweils immer noch ein besonderer Moment. Es ist stets berührend, wenn jemand stirbt.»

Hans-Rudolf Stoll geniesst seine Arbeit

So anspruchsvoll seine Arbeit auch ist - Hans-Rudolf Stoll findet: «Ich geniesse meine Arbeit. Ich geniesse es natürlich nicht, dass es den Leuten schlecht geht. Was ich aber geniesse, ist, dass man mich brauchen kann, dass ich gefordert bin, individuelle Lösungen für die jeweiligen Familien zu finden.»

Erfolgserlebnisse seien, wenn die Angehörigen plötzlich wieder einen Horizont hätten im Leben, der über den Tod hinausgehe. Zum Beispiel, wenn ein Mann, der nie kochen musste, die Hemden nie bügeln musste, dies kurz vor dem Tod seiner Frau noch lernt.

Die ständige Beschäftigung mit dem Tod hat bei Hans-Rudolf Stoll dazu geführt, dass er genaue Vorstellungen hat, wie sein eigener Tod sein soll. «Meine Angehörigen wissen beispielsweise, dass ich nicht reanimiert werden möchte, wenn ich jetzt im Radiostudio zusammenbreche.»

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)