Dorfknatsch in Thürnen: Gemeindepräsident wirft das Handtuch

Seit Längerem schwelt in der kleinen Oberbaselbieter Gemeinde Thürnen ein Dorfknatsch. Jetzt kommt es zum Eklat: Der Gemeindepräsident redet von einem vergifteten Klima und wirft kurz vor den Wahlen das Handtuch.

Dorf Thürnen mit Brunnen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Idylle in Thürnen ist gestört. Zwei politische Lager sind sich in die Haare geraten. Keystone

Thürnen im Oberbaselbiet. 1400 Einwohner, 600 Wohnungen davon gut die Hälfte Einfamilienhäuser, idyllisch gelegen am Eingang des Homburgertals. Aber auch ein Dorf, in dem es auf der politischen Bühne rau zu und her geht.
Seine Gegner würden die politische Stimmung vergiften, so der Gemeindepräsident Hansjörg Hänggi. Er redet sogar von einem Vertrauensbruch im Zusammenhang mit einer Stillschweigevereinbarung, welche die Gruppierung Bürgerliche Vereinigung Thürnen gebrochen habe. Dies sei aber nur das jüngste Beispiel einer Kette von Anfeindungen. Deshalb habe er jetzt entschieden, sich zurück zu ziehen, dies nach 12 Jahren im Gemeinderat, davon acht Jahre als Präsident.

«Ich wäre motiviert gewesen für eine weitere Amtsperiode, aber jetzt musste ich sagen, es genügt. Weil ich immer mehr Energie dafür aufwenden musste, um leere Drohungen oder Lügen zu dementieren und auch noch den Beweis anzutreten, dass es nicht so ist, wie es behauptet wird», sagt Hänggi.

«  Wir haben zwei politische Gruppierung, die sich fürs Dorf einsetzen. Vordergründig. In Tat und Wahrheit geht es darum, dass einzelne ihre Machtbesessenheit ausbauen wollen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. »

Hanshörg Hänggi
Gemeindepräsident, Thürnen

Dieser Schritt falle ihm nicht leicht, aber das politische Klima im Dorf sei dermassen vergiftet, dass eine vernünftige Arbeit nicht mehr möglich sei. «Wir haben zwei politische Gruppierung, die sich fürs Dorf einsetzen. Vordergründig. In Tat und Wahrheit geht es darum, dass einzelne ihre Machtbesessenheit ausbauen wollen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht», sagt Hänggi.

In der Oberbaselbieter Gemeinde Thürnen gibt es zwei politische Lager: Auf der einen Seite der amtierende Gemeindepräsident Hansjörg Hänggi vom «Komitee». Auf der anderen Seite der alt-Gemeindepräsident Robert Schneeberger von der «Vereinigung».

Im Vorfeld der Gemeinderats-Ersatzwahlen im Herbst kam es zwischen diesen beiden Lagern zu Unstimmigkeiten. Robert Schneeberger verschickte letzen Herbst einen Brief, in dem er Hansjörg Hänggi vorwarf, chaotisch und repressiv zu sein, vor allem aber habe zu den Steuergeldern nicht Sorge getragen. Diesen Brief hätten vor allem jene Stimmberechtigte bekommen, die beim ersten Wahlgang noch der Kandidatin des Komitees die Stimme gegeben hätten.

Brisante Fragen an der Gemeindeversammlung

Deshalb fragte Hänggi an der letzten Gemeindeversammlung woher Schneeberger gewusst haben könnte, wer für die Komitee-Kandidatin gestimmt habe. Doch noch bevor man diese Frage habe klären können, sei ein Mitglied des Wahlbüros an die Presse gelangt und habe ihn beschuldigt, er schade dem Ruf des Wahlbüros, sagt Hänggi. Dies habe jetzt bei ihm das Fass zum Überlaufen gebracht.

Robert Schneeberger wollte sich zu all den konkreten Vorwürfen nicht äussern. Er sagt nur: Wenn sich Hansjörg Hänggi nicht mehr in der Lage fühle, das Amt als Gemeindepräsident auszuführen, müsse er Konsequenzen ziehen. Im Übrigen habe er diesen Brief als Privatperson ohne Wissen der Bürgerlichen Vereinigung geschrieben.

Nicht nur der Gemeindepräsident verzichtet jetzt auf eine Kandidatur, das «Komitee» stelle überhaupt keine Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung. Man sei angewidert davon, wie in Thürnen Politik gemacht werde und gehe deshalb in die Opposition.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)