Eine Basler Kunst-Ausstellung, die riecht

Was passiert, wenn Künstler ihren Geruchssinn und denjenigen des Publikums in ihre Werke einbeziehen? Das zeigt das Museum Tinguely in seiner Ausstellung «Belle Haleine – Der Duft der Kunst». Wohlriechend ist längst nicht alles in dieser Schau, die die Nasenhaare ganz schön zittern lässt.

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Der Duft der Kunst

2:02 min, aus Tagesschau vom 11.2.2015

Einige von uns kennen es, das heisse Gefühl, das in uns ausbricht, wenn wir so richtig Angst oder Panik haben oder an einer Phobie leiden. Die Hände zittern, das Herz rast, der Schweiss bricht aus. Eine unangenehme, ja eine peinliche Situation. Genau aus dieser Extremsituation stammt das Rohmaterial für die Installation «The FEAR of Smell – the Smell of FEAR» der Norwegerin Sissel Tolaas.

Die Chemikerin und Künstlerin nahm den Angstschweiss von elf männlichen Phobikern auf und übersetzte ihn in chemische Moleküle. Und ebendiese Essenz lässt sich dieser Tage an den Wänden in einem Raum im Museum Tinguely riechen.

Achselschweiss an den Wänden

Doch Angstschweiss ist nicht die einzige Herausforderung, der sich die Nase zu stellen hat. In einer unschuldig blassblauen asiatischen Kosmetikdose zum Beispiel liegt eine Seife mit intensivem Knoblaucharoma, hinter Glas mit Riechöffnung liegen Papierarbeiten von Dieter Roth und Daniel Spoerri von 1989. Die beiden Schweizer Künstler haben mit Fett gearbeitet, das mit der Zeit ranzig riecht.

Wir betrachten Bilder aus dem 16. Jahrhundert von furzenden und kotzenden Menschen und in einem Glaskasten gibt es ein Parfümfläschchen mit der Aufschrift «Eau de Claire» zu sehen, das nach dem Genitalsekret der Künstlerin Clara Ursitti riecht.

Unverschämt, Ekelhaft oder spannend und ehrlich? Je nach Kultur, nach Prägung oder Persönlichkeit beurteilen wir Körperausdünstungen und Körpersäfte und das Teilen derselben mit der Öffentlichkeit, unterschiedlich.

Der intuitivste aller Sinne

Fest steht: Gerüche provozieren, Gerüche lösen in unseren Köpfen und Körpern etwas aus und werden gerade deshalb von Künstlerinnen vor allem im 20. und 21. Jahrhundert gerne in ihre Werke miteinbezogen.

Als Erweiterung des Sehsinns oder als spielerisches und sehr intuitives Hilfsmittel, um Emotionen zu erzeugen. Denn der Geruchssinn merkt oft als erster aller Sinne, wenn Gefahr droht, wenn uns jemand gefällt oder wie es um die Verfassung des Gegenübers bestellt ist.

Ein Experiment, dass unsere Wahrnehmung schult

Die Ausstellung sei ein Experiment, sagt der Direktor des Museum Tinguely, Roland Wetzel, und so fühlt es sich auch an. Man schnüffelt hier und schnuppert da, am allerliebsten in einem hallenartigen Raum, wo in durchlässigen Strümpfen kiloweise Gewürze von der Decke hängen.

Unter der Installation des Brasilianers Ernesto Neto kann man hindurchlaufen und sich auf Nasenhöhe am Duft von Kurkuma, Ingwer und Pfeffer berauschen.

Denn in einen Rausch verfällt man schnell ab den Dämpfen, den Schwällen von gutem und schlechtem Geruch in den einzeln abgetrennten Räumen der Ausstellung. Ein äusserst riechenswerter Erlebnisparcours, der einem hier geboten wird.

Doch ohne eigenes Engagement läuft hier nichts. Man muss sich einlassen auf die seltsamen, ungewohnten Gerüche und man wird merken: Wie man Duft und Gestank empfindet oder an was einem Gerüche erinnern, das sagt viel über einem selber aus. Manchmal vielleicht sogar mehr, als einem lieb ist.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)