Psychische Krankheiten Experten mit Erfahrung: Peers an der UPK Basel

Seit rund einem Jahr arbeiten an der UPK Basel zwei sogenannte Peers. Sie waren selber einmal Patienten in der UPK und helfen heute als Experten aus Erfahrung Patientinnen und Patienten in der Psychiatrie. Die Bilanz dieses Projekts fällt an der UPK positiv aus.

Akgül und Claude S. nebeneinander Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Haci Akgül, pflegerischer Leiter allgemeinpsychiatrische Intensiv-Abteilung UPK (links), und Peer Claude S. SRF, ernb

Claude S. war zuletzt 2007 mit einer Psychose als Patient in der UPK in Behandlung. Die Diagnose lautete damals Schizophrenie. Heute ist Claude S. wieder in der UPK, diesmal jedoch nicht als Patient, sondern als Mitarbeiter mit einem 20-Prozent-Pensum. Claude S. ist Peer und hilft Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung ihrer Krisen. «Als Peer rede ich viel über meine eigene Vergangenheit. Ich weiss, wie sich eine solche Krise anfühlt», erzählt der 45-jährige.

Ausbildung nach Psychiatrie-Aufenthalt

Nachdem er die eigene Krise überwunden hat, habe er von der Peer-Arbeit gehört und sich für eine entsprechende Ausbildung entschieden. Motivation sei dabei vor allem auch gewesen, anderen Menschen helfen zu können. Er habe vor der Ausbildung jedoch auch gezögert. «Während meiner Arbeit als Peer werde ich immer wieder mit meiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.» Probleme habe es dann diesbezüglich jedoch keine gegeben, sagt Claude S., der heute mit Stolz über seine Arbeit an der UPK erzählt.

Anfängliche Bedenken hatte auch Haci Akgül, Leiter Pflege auf der allgemeinpsychiatrischen Intensiv-Abteilung der UPK, wo Claude S. arbeitet. «Wir waren sehr skeptisch, ob es wirklich funktioniert mit einem ehemaligen Betroffen zu arbeiten», meint Akgül. Auch von Patientenseite her gab es zu Beginn gewisse Bedenken. Diese seien heute jedoch vollständig ausgeräumt. «Die Erfahrungen und das Wissen von Claude S. helfen uns enorm in der täglichen Arbeit.» Auch von Patientinnen und Patienten gäbe es praktisch nur positive Rückmeldungen.

Als Peer geht Claude S. einerseits von sich aus auf die Patienten nach deren Eintritt zu. Andererseits nimmt er auch an Gruppensitzungen teil. Dabei werden verschiedene Fragen besprochen, die sich in einer solchen Krisensituation stellen: Wie lebe ich ein Leben mit einer psychischen Erkrankung? Wie kann ich trotz dieser Erkrankung zufrieden leben? Oder: Wie geht es nach dem Klinikaufenthalt weiter?

Bei Claude S. war nach dem Aufenthalt in der UPK vor allem die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben wichtig. Claude S. arbeitet neben seinem Job als Peer als Lehrer für Erwachsene. Der Peer sieht sich selber nicht als Vorbild für Patientinnen und Patienten und: «Die Krankheit kann immer wieder ausbrechen. Man muss immer schauen, dass es nicht soweit kommt.»

Neben Claude S. arbeitet noch ein weiterer Peer an der UPK Basel auf einer anderen Abteilung. Die UPK zieht generell eine positive Bilanz rund ein Jahr nach Einführung dieser Peers. Deren Einsatz soll deshalb fortgesetzt und allenfalls auch ausgebaut werden.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)