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Basel Baselland Frankenstärke verunsichert Nordwestschweizer Wirtschaft

Die Hälfte der Unternehmen in der Region rechnet mit negativen Folgen der Frankenstärke. Jedes zehnte denkt an Entlassungen, tiefere Löhne oder längere Arbeitszeiten, um darauf zu ragieren. Dies zeigt eine Umfrage der Baselbieter Kantonalbank und von BAK Basel.

Ein Arbeiter schweisst an einer Anlage
Legende: Starker Franken bremst auch die Maschinenindustrie in der Region aus. Keystone

Um die Stimmung der Unternehmen nach der Aufhebung des Franken-Mindestkurses zu erfühlen, befragten BAK Basel und die Baselbieter Kantonalbank rund 6000 Unternehmen. Etwa 1100 antworteten auf die Umfrage - diese Rücklaufquote sei doppelt so hoch wie üblich, sagt Marc Bros de Puechredon vom Wirtschaftsforschungsinstitut BAK: «Das allein zeigt schon, wie ernst die Unternehmen das Problem nehmen.»

Fast jedes zweite Unternehmen erwartet negative Folgen

Das positive Ergebnis der Umfrage: Die Hälfte der Unternehmen erwartet für sich keine Auswirkungen, etwa 6 Prozent rechnen sogar mit positiven Folgen für ihr Unternehmen, da sie billiger im Ausland einkaufen können. Allerdings: ebenfalls fast die Hälfte (exakt 43 Prozent) erwartet für sich negative Auswirkungen. Bestimmt seien die Antworten auch beeinflusst vom Schock, unter dem alle kurz nach der Massnahme der Nationalbank standen, sagt Marc Bros de Puechredon. Aber vermutlich haben auch viele nur «neutral» geantwortet, weil sie nicht wussten, wohin die Reise gehen könnte.

Negativ ist die Einschätzung vor allem in der industriellen Branche - Chemie, Pharma, Maschinenindustrie - die stark Export orientiert ist. Der Fahrzeugbranche macht vor allem die ausländische Konkurrenz bei den Reparaturen Sorge. Ebenfalls vor einer düsteren Zukunft sieht sich das Gastgewerbe. Neutral bis gar positiv ist die Einschätzung der Unternehmen, die ganz auf den Binnenmarkt ausgerichtet sind, also auch das Gros der kleinen KMU, die im Kanton Baselland stark sind. Marc Bros de Puechredon vom BAK relativiert denn auch die nackten Zahlen: Die pessimistischen Unternehmen seien zwar in der Minderheit, aber an ihnen hingen mehr Arbeitsplätze.

Die Umfrage wollte von den Unternehmen auch wissen, mit welchen Massnahmen sie auf die Frankenstärke reagieren wollen. Mit Abstand am häufigsten genannt (ca. 30 %) wurden Vorleistungen, die die Unternehmen im Ausland beziehen wollen, also zum Beispiel Halbfabrikate. Bereits an zweiter Stelle (13 %) folgt Mitarbeiterentlassung, und etwa jedes zehnte Unternehmen überlegt sich auch, die Löhne zu senken.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Auf das haben die Firmen nur gewartet, damit sie die Löhne nach unten anpassen können. Gejammert wird hier in der Schweiz sowieso auf hohem Niveau. Gewusst dass die SNB den Franken nicht ewig tief halten konnte ist wohl jedem Firmenchef klar gewesen. Nur wird jetzt auf Panik gemacht und der Bundesrat zieht noch mit.
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  • Kommentar von Rolf Künzi, winterthur
    Es gibt nur eine Politik die Sinn macht, die untere Mittelschicht zu stärken. Der Rest kommt von selbst. http://www.arte.tv/guide/de/050346-002/abstieg-oder-fall-die-franzosische-mittelschicht-2-3
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  • Kommentar von M. Maruhn, Düren
    Warum noch Löhne ausbezahlt werden ergibt sich mir nicht. Das Ein­zige, was uns von Sklaven unter­scheidet, ist die Tat­sache, dass man uns zuhause wohnen und selbst für die Nahrungsaufnahme sorgen lässt, wo die Unternehmen stetig und immerwieder nach Fachkräften international geworben haben . . . .
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