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Basel Baselland Grellingen will Sozialhilfeempfänger abschrecken

In der Gemeinde Grellingen hat es viel billigen Wohnraum. Das zieht laut Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni (CVP) viele Sozialhilfebezüger an. Und diese belasten die Gemeindekasse so fest, dass die Gemeinde nun unkonventionelle Wege geht.

Dorfeingang Grellingen
Legende: Grellingen hat eine hohe Sozialhilfeempfänger-Quote Paul Menz

Rund drei Millionen Franken nimmt die Gemeinde Grellingen pro Jahr im Schnitt ein. Ein grosser Teil davon fliesst in die Sozialhilfe. 840'000 Franken betragen die Sozialhilfeausgaben. Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni: «In den letzten fünf Jahren hat sich der Aufwand für Bedürftige für die Gemeinde mehr als verdoppelt. Wir werden durch unseren billigen Wohnraum bestraft.»

Die Gemeinde Grellingen hat ein Problem, stellt Hänni fest. Sie sei zu attraktiv für Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen. Viele Wohnungen sind sanierungsbedürftig: «Wir haben zahlreiche günstige Wohnungen, die Menschen mit einem gewöhnlichen Einkommen nicht mieten», sagt Hans-Peter Hänni, Gemeindepräsident.

Unkonventionelle Wege gehen

Dazu komme noch, dass die Gemeinde Grellingen mit dem Zug gut erschlossen sei. Das bedeutet: «Die Leute können anonym in die Stadt gehen und werden dort nicht als Sozialhilfeempfänger erkannt.»

An der geografischen Lage und an der guten Erschliessung will und kann der Gemeindepräsident selbstverständlich nichts ändern. Aber die Wohnungssituation kann er - mit Hilfe der Hauseigentümer - verbessern. Aus diesem Grund hat die Gemeinde das Gespräch mit den Hauseigentümern gesucht und sie gebeten, die Liegenschaft zu renovieren: «So steigen die Mieten und in der Folge durchmischt sich die Dorfbevölkerung besser.»

Hänni vor Haus
Legende: Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni möchte, dass in Grellingen die Hausbesitzer ihre Liegenschaften besser unterhalten. SRF

Kanton soll helfen

Hänni wurde auch bei der Kantonsregierung in Liestal vorstellig: «Der Kanton muss sich für die Lösung des Problems engagieren. Es darf nicht sein, dass wir als Gemeinde für ein gesellschaftliches Problem mit regionalem Charakter alleine gerade stehen müssen.» Hänni fordert eine gerechtere Lastenverteilung. Die Antwort vom Kanton steht noch aus.

Gleichzeitig möchte Hänni aber auch die Sozialhilfebezüger mehr in die Pflicht nehmen. «Wer Hilfe bezieht, der kann auch zur Arbeit für die Gemeinde verpflichtet werden», so der Politiker weiter. «Es gibt genug sinnvolle Arbeit, die auch Menschen mit einem Handicap erledigen können.» Rabatten müssten gejätet, Bachläufe gereinigt und auch Büsche geschnitten werden. «Dies sind Arbeiten, zu der wir Sozialhilfebezüger auch verpflichten können.»

(Regionaljournal Basel, 06.32 Uhr)

22 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Ein alleinstehender Sozialhilfeempfänger erhält im Kanton Basel-Stadt (und das sind die Linken bzw. die Netten) maximal 700 Franken als Mietzinsbeihilfe, plus die Krankenkassenbeiträge und 986 Franken Grundhilfe. Jetzt dürfte wohl klar sein weswegen billige Wohnungen von Sozialhilfeempfängern so dringend gesucht sind. Besser geht es Familien mit Kindern, wer beispielsweise 3 Kinder hat erhält in Basel-Stadt 2000,- maximale Mietzinsbeihilfe plus 2386.- Grundbedarf und die Krankenaksse bezahlt..
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    1. Antwort von A. Moser, Interlalen
      @Starnberger: Ich kenne einige Familien (zugegeben nicht in Basel-Stadt), die weniger als 4500.00 Netto verdienen - und die Krankenkasse selber bezahlen! Und genau das meine ich mit "wenn Sozialhilfebezüger besser leben als hart arbeitende Familien." Wer wirklich Hilfe braucht soll und darf diese auch bekommen - aber nicht einfach in Form von "unkontrollierten Blankochecks" sondern in Form von Unterstützung, das Leben in Griff zu bekommen und für sich selber (und seine Familie) sorgen zu können!
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      A.M./W.S/Wäre somit nicht auch das bedingungslose Grundeinkommen legitim?
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  • Kommentar von Alaphia Zoyab, Aarau
    Neulich wurde in der Arena der Betrag von CHF1500 als Gesamt-Schweizerischer-Durchschnittspreis für eine Mietwohnung genannt. An-sich ok, die EL bezahlt allerdings maximal CHF1300. Kostet die Wohnung mehr, muss der/die Bezüger/in selbst für den Restbetrag aufkommen. Ist der Mietpreis weniger, wird auch weniger ausgezahlt. Somit hatte A.Einstein doch recht. Alles ist Relativ. ...auch die Ansicht über ein Besseres Leben.
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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    Schockiert vom Vorgehen der Gemeinde! Wie fühlt man sich als Sozialhilfeempfänger? Es geht ja auch um psychologische Gesundheit u. Integration.In St-Croix (VD) gibt es einen grossen %-Satz der Bewölkerung. Die Empfänger werden von Sozialämtern dahin gewiesen, weil es leere u. billige Wohnungen gibt. Folge: Unruhen im Dorf wo sich bald alle kennen u. jeder alles vom anderen weiss. Klatsch, Ausgliederung, Vorurteile. In diesem Sinne finde ich das heutige Gesetz d. Arbeitslosenkasse nicht gut.
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