Wochengast «Ich habe diese Geschichten gefunden»

Der Regisseur Michael Koch porträtiert in seinem ersten Spielfilm eine ukrainische Migrantin, die sich in Dortmund durchschlägt. Sie will nicht mehr in ihre Heimat und hat den Traum, eines Tages ihren eigenen Coiffeursalon zu eröffnen.

Seinen ersten Film konnte Michale Koch am Filmfestival in Locarno zeigen. «Marija» wurde mit dem Basler Filmpreis ausgezeichnet und für den Schweizer Filmpreis nominiert. Es sei schön, den Film jetzt in Basel vorzustellen. Denn er lebe und arbeite in Berlin und auch in Basel. Ausserdem sei die Zeit als Teenager am Jungen Theater Basel prägend. «Ich bin immer wieder konfrontiert mit den Erfahrungen, die ich da gemacht habe.»

Inspiriert von einer Begegnung

Im Jahre 2010 reiste Michael Koch durch die Ukraine. Auf der Reise lernte er viele junge Menschen kennen, die ihr Land verlassen wollten. Eine junge Frau traf er in Dortmund wieder. «Die Entschlossenheit, mit der sie ihr Leben in die Hand genommen hat, beeindruckte mich.»

Michael Koch lernte in der Dortmunder Nordstadt Menschen kennen und begann ihre Geschichten zu sammeln. Diese Geschichten verdichtete er am Schluss zu einem Drehbuch. «In dem Moment, wo ich wusste, wie die Menschen dort leben, fühlte sich das Drehbuchschreiben gut an.» Tatsächlich habe er das Drehbuch nicht erfunden, sondern er habe die Geschichten gefunden.

Kein einfaches Umfeld

In der Nordstadt leben viele Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen zusammen. Das Zusammensein sei schwierig. «Diejenigen, die schon länger da sind, beuten die Neuankömmlinge aus, indem sie ihnen für teures Geld Wohnungen vermieten. Es ist wichtig hinzuschauen und aus der Perspektive dieser Menschen zu beschreiben.»

Der Film könnte auch in der Schweiz spielen. «Auch hier gibt es Frauen wie Marija. Nur begegnen wir ihnen oft nicht, da wir wenig mit Menschen am Rande unserer Gesellschaftzu tun haben.»