Kontroverse um Freitod in Basler Altersheimen

Wenn ein alter Mensch sterben will, dann muss er das in vielen Heimen und Spitälern heimlich tun. In etlichen Institutionen haben Sterbehilfeorganisationen keinen Zutritt. Im Kanton Basel-Stadt soll sich dies ändern. Was aber bedeutet dies für die Heime?

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Bildlegende: Immer mehr Leute sind Mitglied einer Sterbehilfeorganisation (Symbolbild) Keystone

Seit zehn Jahren will der Kanton Basel-Stadt von Alters- und Pflegeheimen wissen, ob Sterbehilfe bei ihnen erlaubt ist oder nicht. Das Pflegeheim Humanitas in Riehen ermöglicht seither Sterbehilfe, in zehn Jahren wurde diese aber nur ein einziges Mal beansprucht. «Die Frau sagte, dass in ihrem Leben einfach alles gut sei und sie gehen wolle», erzählt Heimleiterin Stefanie Bollag.

Einen Menschen in den Tod zu begleiten, sei für das Pflegepersonal schwierig. Dennoch blickt Stefanie Bollag mit einem guten Gefühl auf die Freitod-Begleitung zurück. Sie sei ruhig und friedlich abgelaufen, denn die Frau sei mit sich im Reinen gewesen. «Es war sehr klar definiert, bis wo unsere Pflege zuständig war und wo die Sterbehilfeorganisation Exit übernahm.»

Heimlicher Tod

Das bewusste Abschiednehmen sei für das Personal wichtig gewesen, sagt Stefanie Bollag. Genau dies war in einem anderen Basler Alters- und Pflegeheim lange Zeit nicht möglich: Im Marienhaus im Kleinbasel war Sterbehilfe bis vor einigen Jahren nicht erlaubt. Eine Bewohnerin des Hauses entschied sich dennoch für den Freitod, ohne aber das Personal darüber zu informieren. «Ein Bekannter holte die Frau ab und kam abends mit einem leeren Rollstuhl zurück», erzählt Susanne Furler, die das Heim leitet. Dies sei ein Schock gewesen. «Die Tatsache, dass man sich gar nicht verabschieden konnte, war schwierig.»

Dieses Ereignis führte zu einem Umdenken, das Heim erlaubt inzwischen Sterbehilfe. Dennoch ist Susanne Furler dagegen, dass alle Heime und Spitäler dazu gezwungen werden, ihre Türen für Sterbehilfeorganisationen zu öffnen. «Einen solchen Entscheid muss jedes Haus selber treffen, er soll nicht von der Politik gefällt werden.»

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)