Kritische Fragen zur Syngenta-Übernahme

Am «Stadtgespräch» des Regionaljournals Basel und der Volkshochschule beider Basel äusserte sich Christoph Mäder, Mitglied der Geschäftsleitung von Syngenta, zur Zukunft des Unternehmens. Dass Syngenta von einem chinesischen Staatsunternehmen übernommen wird, sorgt für Bedenken.

«In den chinesischen Provinzen geht nichts über persönliche Beziehungen zum Parteisekretär», sagte Podiumsteilnehmer Ruedi Nützi. Er ist Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW und bildet chinesische Manager aus. Er warnt: «Politische Überlegungen von China werden bei Syngenta künftig eine Rolle spielen».

Wird Syngenta in Zukunft also von der Kommunistischen Partei Chinas gelenkt? Christoph Mäder, Mitglied der Geschäftsleitung von Syngenta, glaubt das nicht. «Die Chinesen wollen eine Firma kaufen, die auf dem Weltmarkt agiert und erfolgreich sein kann. Darum werden sie sich hüten, Syngenta zu einem Staatsbetrieb im altmodischen Sinn umzufunktionieren».

«Völlig neue Dimension»

Der Deal mit Syngenta sei für die Chinesen ein «Pilotprojekt». Alle bisherigen Einkäufe seien deutlich günstiger gewesen als bei Syngenta, wo ChemChina rund 43 Milliarden Dollar investiert. «Für China ist das eine völlig neue Dimension», so Mäder.

Erst kürzlich wurde der Trinkflaschenhersteller «Sigg» von einem chinesischen Betrieb übernommen. Und auch der Schweizer Maschinenbauer «Saurer» ist in chinesischer Hand.

Rechtliche Absicherungen

Um abzusichern, dass es nach einer allfälligen Übernahme zu keinen radikalen Veränderungen kommt, hat Syngenta laut Mäder mit ChemChina verschiedene Vereinbarungen getroffen. Unter anderem, dass es vier unabhängige Verwaltungsräte gibt, die bei gewissen Themen ein Vetorecht haben. Zum Beispiel beim Thema Umweltstandards oder Forschungsinvestitionen.

Keine konkrete Vereinbarung mit dem chinesischen Chemie-Giganten ChemChina gebe es allerdings zu den Arbeitsplätzen, musste Christoph Mäder gegenüber Podiumsteilnehmer Manuel Wyss von der Gewerkschaft Unia eingestehen.

Dafür seien der Umgang mit den Angestellten und die Sicherheit am Arbeitsplatz in einem Verhaltenskodex festgehalten. Dieser Kodex sei von den Chinesen sofort akzeptiert worden. «Wir mussten diese Zusicherungen den Chinesen nicht abringen. Das war von Anfang an keine Diskussion.»

Chinesen mögen Schweizer Pragmatismus

Qi Zhu Ammann, Direktorin des Konfuzius-Instituts in Basel, strich am Podium heraus, dass Chinesen die Schweiz bewundern. «Sie mögen es, dass die Schweizer so fleissig und pragmatisch sind.»

Im Umgang untereinander gelte in China eine einfache Regel, diman beim chinesischen Gelehrten Konfuzius antrifft: «Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu». Ein Sprichwort, das auch in Europa und der Schweiz bestens bekannt ist.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)