Basler Pionierprojekt Kurs für Scheidungspaare

Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, sind häufig Kinder die Leidtragenden. Nun gibt es in Basel einen Kurs, der Eltern lehrt, nicht auf dem Buckel der Kinder zu streiten. Der Kurs ist eigentlich freiwillig, immer wieder werden aber auch Teilnehmer vom Gericht oder der Kesb dazu verpflichtet.

Drei Männer und eine Frau in einem Kursraum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Kurs kommen Menschen, die von einer Trennung betroffen sind, miteinander ins Gespräch (Symbolbild) Keystone

Martina Müller hat schwierige Zeiten hinter sich. Sie hat sich von ihrem Partner getrennt, als ihr gemeinsamer Sohn noch ganz klein war. Danach stritten sich die Eltern jahrelang vor Gericht ums Sorgerecht. «Mein Sohn hat darunter gelitten», sagt Martina Müller. Sie meldete sich daher freiwillig für den neuen Kurs «Kinder im Blick» an.

Die Idee des Kurses ist: Beide Elternteile nehmen daran teil, aber in getrennten Gruppen. Die Teilnehmer sollen an den Kursabenden herausfinden, wie sie den Streit mit ihrem Ex-Partner entschärfen können. Und sie sollen merken, was ein solcher Streit für das Kind bedeutet.

Mit Rollenspielen die Realität abbilden

Ein zentrales Element der Kursabende sind Rollenspiele. Diese würden ausgezeichnet funktionieren, erzählt Martina Müller. Dabei werde es jeweils sehr emotional. Sie erinnere sich an ein Rollenspiel, in dem einer der Teilnehmer sich selber spielte und ein anderer Teilnehmer sein Kind, das wütend war. «Man sah im Gesicht des Vaters, dass die Situation wohl realitätsnahe getroffen wurde.»

Dass die Rollenspiele gut funktionieren, betont auch Kursleiterin und Sozialarbeiterin Claudia Morselli. Sie empfinde es zudem als gut, dass im Kurs von einer Trennung betroffene Menschen miteinander ins Gespräch kommen. «Da findet ein Austausch unter gleichen Leuten statt.» Interessant sei, dass man an den Kursabenden gar nicht merke, wer freiwillig mitmache und wer von einem Gericht oder der Kesb geschickt wurde.

Vorbild aus Deutschland

Der Kurs ist für die Schweiz ein Novum. In Deutschland gibt es ihn schon länger. In Basel ins Leben gerufen hat ihn eine Gruppe von Fachleuten. Unter ihnen die Rechtsanwältin Regula Diehl. Sie sagt, die Behörden seien interessiert am Kursmodell.

Wunder könne der Kurs zwar keine vollbringen, betonen alle Beteiligten. Aber wissenschaftliche Studien in Deutschland zeigten, dass sich bei Paaren, die einen solchen Kurs besuchen, der Umgang miteinander rascher verbessere, als bei anderen Paaren.

Martina Müller jedenfalls sagt, ihr gehe es mittlerweile besser. Sie habe gemerkt, dass ihre Probleme mit dem Ex-Partner lösbar seien. «Ich sehe das Glas mittlerweile halbvoll und nicht mehr halb leer.»

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)