Münchenstein will seine Eritreer integrieren

Mit einem speziellen Integrationsprogramm sollen arbeitslose Eritreer früh Einblick in die Arbeitswelt bekommen. Die Gemeinde Münchenstein weiss aber, dass es lange dauern wird, bis die Flüchtlinge finanziell unabhängig leben können.

Zwei Junge Männer mit Kochschürze am Herd. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Flüchtlinge aus Eritrea arbeiten in der Küche des Restaurants Borromeo mit. SRF, Marlène Sandrin

In Münchenstein leben 167 Menschen aus Eritrea. Fast alle von ihnen sind arbeitslos und beziehen Sozialhilfe. Anlass für die Gemeinde, die Flüchtlinge verstärkt an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Zum Beispiel im Restaurant «Borromeo» der Firma «Overall». Daneben gibt es einen Baubetrieb, eine Wäscherei, einen Hausdienstbetrieb. «Overall» ist als Genossenschaft auf die Integration von Arbeitslosen spezialisiert. Für die Gemeinde Münchenstein hat «Overall» das Integrationsprogramm «Lookout» ausgearbeitet. Eine Kombination von Praktikum und Coaching.

«Wenn die Leute in der Küche bei uns arbeiten beobachten wir sie genau», sagt Mona Abid, Co-Leiterin des Borromeo. Man schaue wie offen jemand ist, wie gut die Deutschkenntnisse sind. Es wird die Auffassungsgabe beobachtet, ob jemand geschickt ist im Umgang mit Gegenständen oder besser mit dem «Kopf arbeiten» kann.

Coaching mit Dolmetschern

Die Beobachtungen fliessen in die Gespräche mit den Coaches ein. «Wir schauen, wie es für die Teilnehmenden weitergehen kann», erklärt Irène Bachmann, Coach bei «Overall». Dafür arbeiten die Coaches mit Dolmetschern, was in diesem Bereich neu ist. Man achtet auch darauf, die Migranten früh zu erfassen. Haben sich früher viele erst nach drei oder vier Jahren mit der beruflichen Situation auseinandersetzt, beginnt dieser Prozess über «Lookout» jetzt schon nach einem Jahr.

Der Weg zum Job ist lang

Vier Wochen dauert das Integrationsprogramm. Danach soll es für die Teilnehmenden aber weitergehen, zum Beispiel mit einer Arbeitsstelle in einem Werkhof, mit Deutschkursen.

Giorgio Lüthi, Gemeindepräsident von Münchenstein spricht schon nach wenigen Monaten von Erfolg: «Die Leute fühlen sich ernst genommen». Er weiss aber, dass es noch lange dauern wird, bis die eritreischen Flüchtlinge finanziell unabhängig sind. Die Sozialhilfekosten für die Gemeinde bleiben hoch. Das Gemeindeengagement lohne sich, ist Georgio Lüthi überzeugt. Ein früher Einblick ins Berufsleben und mehr Deutschkenntnisse erhöhten längerfristig die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.