Nachsitzen: Kantone korrigieren Franzi-Lehrmittel

Die am Sprachunterrichtsprojekt Passepartout beteiligten Kantone - unter anderem die beiden Basel - verbessern ihre Französischlehrmittel. Damit reagieren sie auf Kritik von Lehrern und Eltern, aber auch aus der Politik. Im Französischunterricht ist nun doch wieder mehr Grammatik angesagt.

Kinder und eine Lehrerin in einem Klassenzimmer Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Drittklässlerinnen und Drittklässler in Bottmingen lernen spielerisch Französisch. SRF

Mit den neuen Französischlehrmitteln «Mille Feuilles» und «Clin d'Oeil» sollen Schülerinnen und Schüler spielerischer Französisch lernen und ohne Angst vor grammatikalischen Fehlern kommunizieren. Der Ansatz begeisterte aber längst nicht alle.

Den Schülern würde bei diesem Ansatz wichtige Grundlagen, etwa in Grammatik und Wortschatz, fehlen, lautet eine oft gehörte Kritik. Vieles in den Lehrmitteln sei zu schwierig und setze zu viel Eigenverantwortung voraus. Die Bildungsdirektorinnen und -direktoren der sechs Passepartout-Kantone wollen jetzt auf diese Kritik reagieren: «Wir wollen die Lehrmittel den Strömungen anpassen, die berechtigterweise eine Korrektur fordern», sagt der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann. Die Verantwortlichen betonen aber auch, dass es weiterhin das Ziel bleibe, dass die Schülerinnen und Schüler Französisch auf eine spielerische Art und Weise lernen.

Wiedergeburt der Konjugationstabelle

Bereits für das Schuljahr 2016/17 seien erste Ergänzungen erarbeitet worden: Verstärkt wurde etwa die Vermittlung grammatikalischer Kenntnisse. So findet sich beispielsweise die Tabelle zum Konjugieren von Verben wieder im Lehrmittel. Die Nachbesserungen seien keine Bastelei an einem unausgereiften Lehrmittel, betonte dabei der Berner Erziehungsdirektor und Passepartout-Präsident Bernhard Pulver: «Wir reagieren auf Kritik und entwickeln das Lehrmittel weiter, statt einfach etwas Fertiges auf den Tisch zu knallen.»

Kritik an Passepartout aus Baselland

Während in praktisch allen Kantonen das Sprachenkonzept Passepartout kritisiert wird, gerät es im Baselbiet auch grundsätzlich unter Beschuss. Hängig sind zwei Initiativen, die den Ausstieg des Kantons aus dem Passepartout verlangen und nur eine Fremdsprache auf Primarstufe verankern wollen. Auch wenn die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind zu den Kritikern des neuen Sprachenkonzepts gehört, wolle sie nicht, dass ihr Kanton aussteigen. «Wir müssen Geduld haben und nicht gleich alles abbrechen», sagt Gschwind.

Bis 2018 soll eine Evaluation vorliegen, die aufzeigt, ob die Schülerinnen und Schüler die Ziele von Passepartout erreichen.

Bekenntnis zu Passepartout

Passepartout geht zurück auf eine Initiative der sechs Kantone an der französischen Sprachgrenze: Bern, die beiden Basel, Solothurn, Freiburg und Wallis. Mit dem Projekt setzen sie die 2004 beschlossene nationale Strategie zur Weiterentwicklung des Sprachunterrichts um.

Diese gibt vor, dass Kinder die erste Fremdsprache spätestens im dritten Schuljahr, die zweite spätestens im fünften lernen. Die Einstiegsfremdsprache ist regional koordiniert. In den sechs Passepartout-Kantonen ist dies Französisch.

Die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der sechs Kantone stellen sich jetzt erneut geschlossen hinter den Grundsatz, zwei Fremdsprachen an der Primarschule zu unterrichten und mit der Landessprache Französisch zu beginnen.