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Basel Baselland ÖV-Ausbau für Behinderte stört Velofahrer

Das Basler Tram- und Busnetz soll behindertengerecht ausgebaut werden. Für die zweite Phase der Planung und Projektierung beantragt die Regierung dem Grossen Rat knapp 38 Millionen Franken. Nicht überall kommen die baulichen Massnahmen jedoch gut an. Insbesondere die Velofahrer stören sich daran.

Frau im Rollstuhl fährt in Tram
Legende: Eine hohe Einstiegekante ist für Behinderte im Rollstuhl sehr praktisch. Sie können ohne fremde Hilfe einsteigen. Keystone

«Wir erhalten immer wieder negative Rückmeldungen von Mitgliedern», sagt Roland Chrétien vom Veloverband Pro Velo. Paradebeispiel sei die Haltestelle in der Elisabethenstrasse. Hier fahre man mit hohem Tempo und der enge Abstand zwischen Tramschiene und Trottoirkante verunsichere viele Velofahrerinnen und Velofahrer.

Chrétien rät, zwischen den Tramschienen zu fahren und so mehr Abstand zum erhöhten Trottoirrand zu haben.

Baulich könne man bei den bereits umgestalteten Haltestellen jedoch nichts mehr machen. «Eigentlich haben wir immer gehofft, dass statt der Trottoirs die Trams angepasst werden - aber der Grosse Rat entschied damals anders», sagt er enttäuscht. Nun hoffe er, dass der Kanton Lösungen sucht, damit Velofahrer ohne Angst die Tramstationen passieren können.

Velofahrer dürfen teilweise aufs Trottoir

Rund 110 Tramhaltestellen werden im Ganzen behindertengerecht umgestaltet oder deren Umbau steht noch bevor. Auch beim zuständigen Amt für Mobilität im Basler Baudepartement ist man sich der Problematik mit den Velofahrern bewusst. Eine Lösung sei jedoch nur bei rund 20 der über 100 Haltestellen in Sicht: Man lässt hier die Velofahrer aufs Trottoir ausweichen.

Umbau seit Sommer 2013

Eine weitere Variante, wo zwischen den Gleisen mit Farbe ein Velo aufgedruckt wurde, überzeugt dagegen nicht. «Damit wollten wir den Autofahrern signalisieren, dass die Velos dort fahren dürfen. Schlussendlich hat es aber vor allem die Velofahrer irritiert, da viele dachten, dass sie nun zwischen den Gleisen fahren müssen», sagt Fabienne Hungerbühler vom Amt für Mobilität.

Die erste hindernisfreie Tramhaltstelle in der Stadt Basel war im Sommer 2013 in Betrieb genommen worden. Sie wurde im Zuge der Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein (D) in Kleinhüningen gebaut.

Insgesamt sind bis Ende 2016 im Kanton Basel-Stadt sieben Haltestellen beidseits behindertengerecht zugänglich, sowie die neuen Haltestellen der Tramlinie 8 in Weil am Rhein (D). Bis Ende 2019 sollen mindestens weitere 16 Haltestellen umgebaut werden, wie es am Montag an einer Medienkonferenz hiess.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Schneider (schneider)
    Auch tragisch an der Geschichte ist, dass in Basel erst im Sommer 2013 die erste hindernisfreie Tramhaltestelle gebaut wurde. Und dass in den letzten gut drei Jahren gerade mal sechs weitere hinzugekommen sind. Bis Ende 2019 sollen laut Bericht 16 weitere Haltestellen umgebaut werden. Das macht dann 23 von 100 Haltestellen. Wie es Basel schaffen wird, die restlichen 77 innerhalb von nur vier Jahren umzubauen, bleibt spannend. Bis zum Jahr 2023 muss der gesamte ÖV per Gesetz hindernisfrei sein.
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  • Kommentar von Thomas Schneider (schneider)
    Fahren die Velofahrer nicht sowieso überall, wo sie wollen? Trottoir, Fussgängerzone, Gegenfahrbahn, Fussgängerstreifen, über rote Ampeln... Bei all diesen Manövern werden sie es ja wohl noch schaffen, neben einem etwas höheren Trottoir durchzufahren. Die Bedürfnisse von Menschen mit einer Gehbehinderung sind allemal wichtiger. Wer sich aufregt, soll sich mal einen Tag lang in einen Rollstuhl setzen.
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  • Kommentar von Regula Weller (Rewell)
    Ich bin sehr tolerant, aber diese neuen, hohen Trottoir Ränder in Basel sind eine Zumutung für uns Velofahrerinnen und Velofahrer. Es ist einfach noch viel gefährlicher und ich hoffe einfach nur, dass dadurch KEIN einziger Unfall geschieht und diese Betroffenen deswegen dann auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Ich bin absolut gegen solche sehr gefährlichen Bordsteine und kann nicht verstehen, dass solche tatsächlich gebaut werden dürfen. Die (militanten) Behindertenorganisationen sei Dank!
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