Probleme im Basler Milieu haben sich verschärft

Ende Juni ergriffen die Basler Behörden eine spezielle Massnahme, um die Situation rund um den Kleinbasler Strassenstrich zu beruhigen: Ein Strich auf dem Boden zeigt die Grenzen der Toleranzzone klar auf. Diese Markierung zeigt Wirkung - innerhalb der Zone haben sich die Probleme aber verschärft.

Die Markierung der Toleranzzone wird angebracht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Stimmung auf dem Kleinbasler Strassenstrich ist aufgeheizt. SRF/Sedrik Eichkorn

«Die Frauen zerren die Männer heran und begrabschen sie sogar», sagt Heidy Ruf, die seit über 20 Jahren eine Coiffeursalon an der Webergasse im Kleinbasler Rotlichtviertel betreibt. Ihre Kunden würden richtiggehend belästigt und aggressiv angemacht - seit letztem Monat habe das nochmals stark zugenommen.

Die Prostituierten würden sich weitgehend an die neuen Markierungen auf der Strasse halten, heisst es aus dem Quartier und auch von der Basler Polizei. Die Strassenprostitution sei jetzt mehrheitlich auf drei Strassen im Kleinbasel konzentriert.

Innerhalb der Toleranzzone aber sei das Ungleichgewicht jetzt noch grösser: Es gibt viele Prostituierte und wenig Männer. Der Preis für Sex ist zusammengebrochen und die Stimmung entsprechend angeheizt. Heidy Ruf erzählt, dass die Prostituierten ihr Coiffeursalon belagern würden. «Als ich sie höflich aufforderte, zu gehen, bekam ich zur Antwort, hier sei jetzt Zone, das sei jetzt ihre Strasse.»

Ähnliche Szenen beschreibt auch die Beizerin des Restaurants «Adler» an der Ochsengasse, Barbara Muchenberger: «Ich habe schon gesehen, wie die Frauen aufeinander losgehen. Die Situation ist sehr schwierig.»

«  Als ich sie aufforderte, zu gehen, bekam ich zur Antwort, hier sei jetzt Zone, das sei jetzt ihre Strasse. »

Heidy Ruf
Coiffeuse an der Webergasse

Es gibt aber auch Gewinner dieser Situation: ausserhalb der Toleranzzone hat sich die Lage entspannt. So werde zum Beispiel der Platz vor dem Hotel Balade, das sich zwischen dem Rotlichtviertel und der Kaserne befindet, weniger belagert. «Das ist eine grosse Erleichterung für uns. Wir haben das Quartier wieder zurückerobert», sagt Hoteldirektor Beat Gerber. Zuvor hätten sich die Hotelgäste öfters über unangenehme Begegnungen beklagt.

Trotz der Erleichterung sagt Gerber auch, dass die Markierung eine Scheinlösung sei und das Problem jetzt einfach auf drei Strassen rund um die Kreuzung Webergasse/ Ochsengasse konzentriert sei.

Probleme nicht gelöst

Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP), der die Idee der Markierung zusammen mit Quartierbewohnern entwickelte, möchte noch keine abschliessende Bilanz der Markierung ziehen. Er betont, dass man damit das Sexgewerbe eingrenzen wollte, man sich aber bewusst sei, dass damit nicht alle Probleme aus der Welt geschaffen würden.

Um die Situation in der Toleranzzone zu beruhigen, möchte Dürr weiter auf verschiedene Massnahmen setzen: «Wir subventionieren zum Beispiel eine Beratungsstelle für die Prostituierten, die auch vermitteln kann.» Letztendlich sei der Strassenstrich aber kein Thema, das die Behörden damit abhaken können. Es werde weiter eine Herausforderung bleiben.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)