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Die Altlasten auf dem Areal in Zwingen stammen aus den 1980er-Jahren.
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 05.12.2019.
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Quecksilber in Zwingen «Wir werden uns nicht aus der Verantwortung stehlen»

Die Familie von Martin Jermann hatte jahrzehntelang ihre Firma auf einem Gelände, wo heute Altlasten gefunden werden.

«Quecksilber-Alarm in Zwingen» - so lautete eine der vielen Schlagzeilen diesen Sommer, nachdem die Baselbieter Baudirektion die Schliessung einer ehemaligen Gewerbehalle in Zwingen veranlasst hatte. In der Halle, welche von Privatpersonen und Vereinen als Materiallager und Arbeitsraum genutzt wurde, seien «erhebliche» Quecksilber-Belastungen festgestellt worden.

Anfang dieser Woche meldete die Bau- und Umweltschutzdirektion nun, dass die Halle bis auf weiteres geschlossen bleiben, vermutlich sogar abgerissen und auch der Boden saniert werden müsse. Die Kosten für diese Sanierungsarbeiten dürften mehrere Millionen Franken betragen. Sie beginnen voraussichtlich im Jahr 2021.

Fachleute hatten zu dieser Technik geraten

Auf dem Gelände, welches heute mit Altlasten verseucht ist, arbeitete jahrzehntelang das Unternehmen der Familie von Martin Jermann. Er ist heute 80-jährig. Die Firma war seit jeher in der Holzbranche tätig. Als Martin Jermann und sein Bruder Erich in das Unternehmen eintraten, erweiterten sie das Geschäftsmodell und begannen damit, Holz-Schwimmbecken zu bauen. Und so kam auch das Quecksilber auf das Areal.

Quecksilber habe man benötigt, um das Holz für die Pools zu imprägnieren, sagt Martin Jermann. «Wenn man Holz in den Boden einbaut, verfault es nach zehn Jahren, wenn man es nicht imprägniert. Behandelt man das Holz aber zuvor, hält es beinahe unbeschränkt.» Eine Imprägnierung mit Quecksilber sei damals Standard gewesen. Alle Fachpersonen hätten ihnen dazu geraten.

Firma ist mittlerweile konkurs

Die Holzbretter seien dabei in ein Tauchbecken mit einer Quecksilber-Lösung gelegt worden. «Die Becken sind heute noch dicht», sagt Jermann, «wir haben nicht fahrlässig gehandelt.» Das Quecksilber gelangte trotzdem in den Boden. Vermutlich als man die Bretter aus der Lösung nahm und sie zum Abtrocknen auf den Boden stellte. Bis Mitte der 1980er-Jahre habe man das Holz auf diese Weise behandelt. Dass man nun, rund 40 Jahre später, Rückstände in der Umwelt findet, das hätte er sich damals nicht träumen lassen.

Die entscheidende Frage, die sich nun aber stellt ist: Wer kommt für die Kosten der Sanierung auf? Soll diese der Kanton, sprich die Allgemeinheit tragen? Klar ist: Die Firma der Jermanns existiert nicht mehr. Martin Jermann selber schied bereits 1990 aus der Firma aus, sein Bruder verkaufte sie später, bevor sie 2012 konkurs ging. Eine juristische Person, ein Unternehmen, welches zur Verantwortung gezogen werden könnte, gibt es also nicht.

Haftet der Grundeigentümer?

Martin Jermann ist allerdings noch heute Grundeigentümer. Als er die Firma verliess, hat er die Hälfte des Areals behalten, 2005 - als er noch nichts von den Altlasten gewusst habe - kaufte er die zweite Hälfte dazu. In dieser Rolle könnte der Kanton ihn möglicherweise gleichwohl in die Pflicht nehmen, rechtlich ist es nämlich möglich, Grundeigentümern bei Sanierungen ihrer Gelände maximal 30 Prozent der Kosten zu überwälzen.

Allerdings hänge dies stark von Einzelfall ab, und zweitens ist die Situation in Zwingen doppelt kompliziert, weil Jermann nur Besitzer der Stammparzelle ist und nicht der Baurechtsparzelle, auf welcher die Verschmutzung liegt. So zumindest schätzt Jermann die Ausgangslage ein.

Das Ziel ist eine saubere Parzelle

Aber unabhängig davon, ob er juristisch zu einer Beteiligung an den Sanierungskosten verpflichtet sei; die Frage nach Schuld und Verantwortung stellt sich nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch. Und diese Frage stellt sich auch Jermann. Als ehemaliger Unternehmer fühle er sich zwar unschuldig, «weil wir wirklich alles unternommen haben, was zu der damaligen Zeit vorgesehen war». Gleichzeitig weiss er, dass die Altlasten aus seiner Zeit stammen, und auch wenn er sie nicht absichtlich produziert habe, sei dies ein ungutes Gefühl.

Er wolle sich deshalb auch nicht aus der Verantwortung stehlen, sagt Jermann, auch wenn er rechtlich nicht in der Pflicht stehe. «Wir werden uns nicht vor einer Beteiligung an den Kosten drücken. Das Ziel ist, dass die Parzelle sauber wird und dass für Mensch und Umwelt keine Gefahr mehr besteht.» Dass es Jermann im Alter von 80 Jahren nochmals mit einer delikaten Altlasten-Geschichte schafft, in die Medien zu kommen, sieht er gelassen. «Ich habe das alles wirklich nicht gesucht, aber wenn Probleme auftauchen, muss man sie lösen.»

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