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Basel Baselland Rezyklierte Hotelseifen aus Basel für Bedürftige im Ausland

Rund drei Millionen Seifen landen in den Schweizer Luxushotels jedes Jahr im Abfall. Das muss nicht sein, findet Hoteliersgattin Dorothée Schiesser. Sie hat eine Stiftung gegründet, die alte Seifen einsammelt, zu neuen Seifen verarbeitet und in Entwicklungsländer schickt.

Dorothée Schiesser (Dritte von links) in der Seifenfabrik im Basler Wohnwerk.
Legende: Dorothée Schiesser (Dritte von links) in der Seifenfabrik im Basler Wohnwerk. SRF

Dorothée Schiesser (56) ist in der Welt der Luxushotels zuhause. Die gebürtige Französin ist die Ehefrau des früheren Direktors des Hotels Les Trois Rois in Basel. Es hat sie jedoch stets gestört, dass in den Luxushotels kiloweise Seifen weggeworfen werden. «In einem Hotel mit 100 Zimmern landen jeden Tag rund 80 Seifen im Abfall.»

Diese Verschwendung ärgerte sie, weil anderswo Seifen Mangelware sind. Als Dorothée Schiesser in Kamerun lebte und dort als Journalistin arbeitete, sah sie die prekären hygienischen Bedingungen in den Armenvierteln - und wie dies die Menschen krank machte. Das brachte sie auf eine Idee: «Wir könnten die Hotelseifen, die wir wegwerfen, zu neuen Seifen verarbeiten und in andere Länder schicken.»

Behindertenwerkstatt machts möglich

Um diese Idee zu verwirklichen, gründete Dorothée Schiesser vor zwei Jahren eine Stiftung. Es gab jedoch ein Problem: Niemand wusste, wie man Seifen recycelt. Hilfe suchte die Hoteliers-Frau im Wohnwerk, einer Werkstatt für geistig behinderte Menschen in Basel. Deren Direktor Uwe Armbruster, erinnert sich: «Wir fanden die Idee dermassen umwerfend, dass wir gesagt haben: Das wollen wir möglich machen.»

Heute zeigt sich beim Besuch in der Behindertenwerkstatt: Hier ist eine kleine Seifenfabrik entstanden - mit acht neuen Arbeitsplätzen. Die Produktion läuft wie geschmiert. 50 Schweizer Luxushotels spenden ihre alten Seifen. Sie werden im Wohnwerk mit lauter alten Küchenmaschinen verarbeitet. Bereits eine Tonne Recycling-Seifen sind so in diesem Jahr produziert worden. Die fertigen Seifen gehen anschliessend gratis an wohltätige Organisationen - beispielsweise ans Rote Kreuz, das sie an bedürftige Familien im Ausland verteilt.

Dank Gönnern und viel Freiwilligenarbeit

Das Projekt funktioniert nur dank grosszügigen Gönnern und viel Freiwilligenarbeit. Dorothée Schiesser arbeitet selber vier Tage in der Woche gratis für ihre Stiftung. Sie sagt, sie könne und wolle sich das leisten: «Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Mir ist es in meinem Leben stets gut gegangen, so dass ich nun etwas tun will, für unseren Planeten und für andere Menschen.»

Nur etwas könnte das Projekt der umtriebigen Hoteliersgattin noch stoppen: Wenn die Luxushotels künftig Flüssigseife verwenden würden - und es gar keine Seifen-Abfälle mehr gäbe. Das wäre auch gut, sagt Dorothée Schiesser mit einem Lächeln. Dann wäre ja das Problem mit der Verschwendung von Seifen gelöst.

(Regionaljournal Basel, 17.32 Uhr)

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Soltermann (ps)
    Im Gegensatz zu Nestlé oder Colgate-Palmolive, die den Bedarf zuerst mit einer Werbewalze schaffen muss, kommt hier die 'Wirtschafts-Philosophie des Gebens' zum Zug. Dies waere selbst dann der Fall, wenn der Endverbraucher die effektiven Herstellkosten voll zu bezahlen haette. Grossartige Idee!
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    1. Antwort von Paul Soltermann (ps)
      Ich bin nicht Oekonom und habe die Begriffe 'Philosophie des Gebens' und 'Philosophie des Nehmens' in diesem Blog erstmals von einem Herrn od Frau aus St.Gallen gelesen. nb den Sinn erst spaeter erkannt. Philosophie des Gebens = ein bestehendes Beduerfnis moeglichst kostensparend erfuellen. Philosophie des Nehmens = Ein unnoetiges Produkt dem Konsument aufdraengen, oder ein bestehendes Produkt vom Markt verdraengen, mit dem Ziel grosse Gewinne zu machen.
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