«Tagesklinik auf dem Bruderholz ist machbar»

Die beiden Basel wollen nicht nur die Spitäler zusammenlegen, sondern am Standort Bruderholz als Ersatz für das Spital eine neue Tagesklinik einrichten. Die vorbereitende Projektgruppe publiziert nun zum ersten Mal Bedarfszahlen und kommt zum Schluss, dass die Klinik machbar sei.

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Bildlegende: In der Tagesklinik werden auch einfache Operationen ambulant durchgeführt. Keystone

Zwischen 4000 und 16000 Operationen lassen sich in der Region Basel jährlich ambulant ausführen. Genügend, um eine neue Tagesklinik zu führen. Zu diesem Schluss kommt die Planungsgruppe unter der Leitung von Chefarzt und Professor für Anästhesiologie am Universitätsspital Basel Luzius Steiner.

«Die Tagesklinik ist machbar» fasst Luzius Steiner den aktuellen Planungsstand zusammen. Als realistische Richtgrösse sieht er 7000 Operationen pro Jahr, die in einer neuen Tagesklinik durchgeführt werden könnten. Damit kontert er Kritiker, die das Projekt einer Tagesklinik Bruderholz als überflüssig bezeichnet und befürchtet hatten, dass damit eine Überkapazität geschaffen würde.

Das Universitätsspital Basel führt heute schon ambulante Eingriffe aus, wo der Patient oder die Patientin am selben Tag oder nach nur einer Übernachtung im Spital wieder nach Hause kann. Diese Eingriffe seien aber nicht effizient und deshalb teuer, meint Luzius Steiner: «Etwas polemisch könnte man sagen: wir ziehen Weisheitszähne in Operationssälen, die für Herzeingriffe ausgelegt sind.»

«  Wir ziehen Weisheitszähne in Operationssälen für Herzchirurgie »

Luzius Steiner
Chefarzt und Professor für Anästhesiologie Unispital Basel

Luzius Steiner setzt sich für die Realisierung der Tagesklinik ein, weil er sich eine Entlastung des Universitätsspitals Basel erhofft. Zudem sei es im Interesse der Patienten: «Man profitiert davon, wenn man nicht unnötig im Spital liegen muss und sich zuhause pflegen kann.» Luzius Steiner verweist zudem auf Erfahrungen in Nachbarländern wo gegen 50 Prozent der Eingriffe ambulant getätigt werden. In der Schweiz biete bisher das Spital- und Krankenkassentarifsystem zu wenig Anreize, um die ambulante Behandlung zu fördern, so der Chefarzt weiter.

Hausinterne Kritik

Nicht alle Chefarztkollegen am Universitätsspital Basel sehen das Projekt ebenso positiv wie Luzius Steiner. Das Arbeiten an zwei Standorten wird negativ bewertet. Zudem wird befürchtet, dass das direkte Zuweisen von Patienten an Chefärzte schwieriger zu organisieren ist. Ungelöst ist auch die Frage der Ärzteausbildung am Universitätsspital. Werden einfachere Operationen neu in einer externen Tagesklinik ausgeführt, so fehlen diese für die interne Ausbildung.

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Bildlegende: Leitet die Planungsgruppe «Tagesklinik»: Luzius Steiner, Chefarzt am Universitätsspital Basel. zVg

Luzius Steiner, als Tagesklinik-Befürworter, betont explizit das Basler Interesse an einer neuen Tagesklinik. Bezugnehmend auf kritische Stimmen, die die Tagesklinik als Entgegenkommen ans Baselbiet bezeichnet hatten, als Entschädigung für die wahrscheinliche Spitalschliessung auf dem Bruderholz, sagt Luzius Steiner:

«Ich glaube nicht, dass es ein Entgegenkommen ans Baselbiet ist, sondern es geht darum die chirurgische Arbeit effizienter zu organisieren als es bis jetzt im grossen Universitätsspital Basel der Fall ist».

Kleine Bettenabteilung

Als Entscheidungsgrundlage für die Politik werden nun Szenarien ausgearbeitet. Eines davon sieht auch eine kleine Bettenabteilung vor. «Aus medizinischer Sicht kann es Sinn machen, nach kleinen Operationen noch eine Nacht in der Klinik zu bleiben. Insbesondere für Leute, die alleine leben», sagt Luzius Steiner.Im Herbst wird die Politik entscheiden, ob das neue Modell der Tagesklinik am Standort Bruderholz realisiert wird oder nicht.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)