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Legende: Audio Ist ein Ausschluss der Frauen am Banntag rechtlich zulässig? abspielen. Laufzeit 02:31 Minuten.
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 27.05.2019.
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Verfassungswidrig? Der Liestaler Banntag ist noch immer fest in Männerhand

In Liestal ist am Montag Banntag. Dass Frauen ausgeschlossen sind, verstosse gegen die Bundesverfassung, sagt ein Staatsrechtsprofessor.

Mit Pulverdampf und Böllerschüssen startete der Banntag in Liestal frühmorgens. Die vier sogenannten Rotten machten sich nach der Versammlung in der Rathausstrasse auf den Weg ausgerüstet mit Spazierstock, Hut und dem traditionellen «Banntags-Maien» auf dem Hut. Immer am Montag vor Auffahrt wird in Liestal der Bann abgeschritten - Bürger von Liestal und Gäste kontrollieren die Grenzen.

Legende: Video Aus dem Archiv: Banntag in Liestal (2016) abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.05.2016.

Doch nach wie vor haben Frauen am Banntag nichts zu suchen. Sie dürfen bei den Zwischenpausen lediglich den Apéro bereit stellen. Während in praktisch allen anderen Baselbieter Gemeinden Frauen am Banntag mittlerweile gerne gesehen sind, dürfen auch im Jahr des zweiten Frauenstreiks in Liestal aber auch in Sissach nur Männer mitmarschieren.

Die Bürgergemeinde ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Diese muss sich ans Grundrecht halten.
Autor: Markus ScheferProfessor für Staats- und Verwaltungsrecht

Nach seiner Einschätzung sei dies ein Verstoss gegen die Bundesverfassung, sagt Markus Schefer, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Uni Basel. Die halte nämlich in Artikel 8 fest, dass Frauen und Männer nicht nur gleich gestellt seien, in diesem Artikel stehe auch ein Diskriminierungsverbot.

Die Bürgergemeinde, die den Banntag organisiert, müsste demnach als öffentliche Institution auch Frauen zulassen. «Die Bürgergemeinde ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Diese muss sich ans Grundrecht halten», hält Schefer fest. Für ihn ist klar, dass die Bürgergemeinde jetzt handeln muss.

«Eine theoretische Frage»

Schefer sieht nur zwei Auswege. Entweder die Männer feiern den Banntag weiterhin ohne Frauen. Dann müssten sie diesen Anlass aber privat durchführen. Die Bürgergemeinde müsste sich zurückziehen. Oder die Bürgergemeinde lässt Frauen zu, organisiert zum Beispiel eine eigene Gruppe, eine so genannte Rotte, extra für Frauen.

In den 1990er-Jahren versuchten schon einmal Frauen am Liestaler Banntag in Liestal mitzumachen. Um eine Konfrontation mit den Männer zu vermeiden, marschierten die Frauen jedoch erst nach den Männern los, später sogar völlig getrennt an einem anderen Tag. Diese fünfte Rotte blieb aber isoliert und löste sich bald wieder auf.

Das ist keine Diskrimierung. Unsere Frauen sind stolz auf den Banntag.
Autor: Hans Rudolf SchafrothBürgerrat Liestal (SVP)

Die Liestaler Männer wollen indes nichts wissen von einer Gleichstellung von Mann und Frau am Banntag. «Das ist keine Diskrimierung. Unsere Frauen sind stolz auf unseren Banntag. Klagen haben wir bislang keine gehört», sagt Bürgerrat Hans Rudolf Schafroth (SVP). «Lasst uns Männern doch diesen Tag. Ein Tag geht es auch mal ohne Frauen», sagt ein andere Banntägler und ein weiterer ergänzt: «Diese Freiheit müssen wir bewahren.»

Auch für die Journalistin von Radio SRF gibt es keine Ausnahme. «Du darfst bis zum ersten Halt mitlaufen», sagt der Rottenchef. Dann ist der Banntag für die Journalistin vorbei.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Gibt es etwas für das es keinen Professor gibt? Zudem gibt es eine Frauenrotte am Liestaler Banntag.
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  • Kommentar von Ulrich F. Pfister  (ufp)
    Höre soeben im Regiden Bericht über den Liestaler Banntag (Anna Jungen). Dazu zwei Anmerkungen:
    1. Ein böser Schnitzer von Frau Jungen: Die Vorderladerflinten & -pistolen schiessen nie im Leben scharf. Es ist Schwarzpulver, gestopft mit Zeitungspapier. Aber au....!
    2. Es gibt noch ein prominentes 'Nur-Männer-Banntagsdorf': Sissach. Ich in Gelterkinden hab die Teilnahme beider Geschlechter immer als fröhliches Familienfest erlebt.

    Liebe Grüsse
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  • Kommentar von Ernst Küng  (NestorBS)
    Wollen eigentlich unsere Frauen einfach nur noch umsverworgen in allen noch Männerbastionen einsteigen und nachäffen/mitmachen? Braucht es keine Unterschiede mehr? Falls ja, sollen sie mit ihrer Super-Schnappsidee vom Streik umgehend aufhören und sofort sich auch erst mit 65 pensionieren lassen. Davon hört man seltsamerweise praktisch nichts. Zudem leben sie ja auch länger.
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    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Ja das ist ungerecht und noch kein Rechtsprofessor hat herausgefunden wie es anzustellen ist, dass die Frauen nicht länger leben als Männer... Ich finde das eine unsägliche Ungleichbehandlung durch das Leben.
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