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Leiter Krisenstab Baselland
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 20.03.2020.
abspielen. Laufzeit 12:17 Minuten.
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Wochengast Patrik Reiniger «Wenn's so weitergeht mit Neuerkrankungen, haben wir ein Problem»

Patrik Reiniger leitet seit zwei Jahren den kantonalen Krisenstab Baselland und ist damit eine wichtige Person im Kampf gegen das Virus,

Alleine heute stieg die Zahl der neuen Coronafälle in beiden Kantonen um je 50 Personen. In den beiden Kantonen sind über 450 Personen am Virus erkrankt, in der Stadt sind 45 Patienten in Spitalpflege. Was passiert, wenn es in diesem Tempo weitergeht mit den Neuerkrankungen? Patrik Reiniger ist unser Freitags-Gast.

Regionaljournal Basel: Der Bundesrat hat heute verfügt, dass nur noch Gruppen von 5 Personen zusammen unterwegs sein dürfen. Sind Sie damit zufrieden?

Patrik Reiniger: Ich bin froh, ist der Bundesrat nicht weitergegangen und hat eine generelle Ausgangssperre erlassen.

Patrik Reiniger

Patrik Reiniger

Leiter kantonaler Krisenstab Baselland und Amt für Militär und Bevölkerungsschutz

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Patrik Reiniger ist 48 Jahre alt. Er studierte Staats- und Militärwissenschaft an der ETH Zürich und war 20 Jahre lang Berufsoffizier. Vor zwei Jahren übernahm er die Leitung des Amts für Militär und Bevölkerungsschutz und wurde auch Leiter des kantonalen Krisenstabs.

Das überrascht jetzt doch. Wäre eine Ausgangssperre nicht besser gewesen? Dann wäre allen alles klar?

Man kann die Leute nicht einfach wochenlang einsperren, sonst halten wir sie nicht bei der Stange für weitere Massnahmen.

Was passiert nun, falls sich die Leute nicht an diese Massnahme halten?

Wir haben der Polizei empfohlen, diese 5-Personen-Regelung mit Augenmass durchzusetzen. Aber klar, wer sich nicht dran hält, der wird auf die neuen bundesrätlichen Vorgaben hingewiesen. Wichtig ist einfach, dass man dies ruhig macht.

Aber haben wir wirklich noch Zeit, keine radikalen Massnahmen wie die Ausgangssperre zu erlassen?

Es kann reichen, wenn die Leute sich wirklich an alle Hygienevorschriften halten, also konsequent die 2-Meter-Regel einhalten, sich häufig die Hände waschen und nur in kleinen Gruppen zusammen sind. Das hilft schon sehr viel.

Wenn Sie jetzt zurückblicken auf die letzten paar Wochen - was hat gut funktioniert, was nicht?

Ich glaube, viele haben schnell begriffen, dass die Situation ernst ist, ein paar wenige leider aber auch nicht.

Zum Beispiel an der Baselbieter Fasnacht...?

Wir im Krisenstab wussten damals schon, was auf uns zukommen wird. Aber die Leute befassen sich ja nicht ständig mit solchen Fragen. Das braucht immer Zeit, bis das Bewusstsein bei allen da ist.

Sie kommen eben aus einer Sitzung - was haben sie entschieden?

Wir versuchen uns immer einen Überblick zu verschaffen über das, was es noch braucht, damit wir für die nächste Zeit gut gerüstet sind.

Wie präsentiert sich heute die Situation in Bezug auf die Coronaerkrankten?

Es sind um die 200 Erkrankten. Wir sehen, dass sich die Zahl der Neuerkrankungen seit drei Tagen veroppelt. Das heisst, wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht.

Ist das dramatisch?

Wenn es lange so weiter ansteigt, dann wird es dramatisch, ja.

Und wann ist das Schlimmste überstanden?

Wenn sich die Zahl der Neuerkrankungen zurückbildet. Aber soweit sind wir noch nicht.

Sie waren 20 Jahre Berufsmilitär. Sind wir jetzt in einer militärischen Situation?

Es gibt eine Bedrohungslage. Daher kann man tatsächlich von einer militärischen Situation sprechen.

Haben Sie sich je vorgestellt, dass Sie so eine Situation erleben werden?

Wir beschäftigen uns im Krisenstab seit Jahren mit Pandemieplänen. Es gab ja schon die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, Sars, Ebola und anderes. Aber ich hätte mir nie ausgemalt, dass es so schlimm wird.

Wir stehen jetzt vor einem Wochenende und ab Montag gilt die 5-Personen-Regelung. Was raten Sie den Leuten?

Wir sind daran, die ganze Infrastruktur hochzufahren. Aber sie wird nie ausreichen, wenn sich die Leute nicht an die Hygieneregeln halten. Ich wiederhole mich: Es ist daher absolut wichtig, dass jeder und jede diese einfachen Regeln einhält. Das hilft uns, Zeit zu gewinnen.

Das Gespräch führte Dieter Kohler.

Regionaljournal Basel, 17:30; kohd; agom

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Wir können durch die jetzt geltenden Massnahmen die Zahl der Neuansteckungen sicher stark verkleinern. Doch erst wenn es unserem Immunsystem gelingt, das Coronavirus zu stoppen, werden keine Neuerkrankungen mehr auftreten. Im betroffenen Gebiet Chinas gibt es gemäss den neusten Informationen keine Neuerkrankungen mehr. Offenbar hat sich das Immunsystem der dort lebenden Menschen rasch entwickelt. Es sieht so aus, als wäre die Einreise von derart "immunisierten" Menschen für uns sehr nützlich.
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Dann dürfte die gestrige Meldung über die Anmeldung von Kurzarbeit in einem Basler Spital, hinfällig sein.
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