Basler Filmerin Anna Thommen will Bilder für sich sprechen lassen

Die Dokumentarfilmerin Anna Thommen hat zwei Jahre lang die Integrationsklasse Basel begleitet. Der Film «Neuland» zeigt Jugendliche, die dafür kämpfen, sich in der Schweiz ein selbstständiges Leben aufzubauen.

Portrait der Dokumentarfilmerin Anna Thommen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dokumentarfilmerin Anna Thommen SRF

«Schlussendlich hatte ich etwa 200 Stunden Filmmaterial», beschreibt Anna Thommen. Während zwei Jahren begleitete die junge Filmemacherin die Integrations- und Berufswahlklasse (IBK). In der Klasse kommen Jugendliche aus aller Welt zusammen. Gemeinsam ist ihnen einzig, dass sie alle neu sind in der Schweiz und versuchen, hier Fuss zu fassen und ein selbstständiges Leben aufzubauen. Doch der Weg ist lang, das zeigt der Film sehr deutlich.

Schnörkellos und nüchtern

Anna Thommen verzichtet auf eine Erzählstimme, Einordnung oder Interviews. Sie lässt die Bilder für sich sprechen. «Ich wollte alles möglichst echt und unverstellt zeigen. Ich wollte, dass der Zuschauer das Geschehen sehr nahe und direkt miterlebt.» Und das gelingt Anna Thommen. Ihr Film berührt - eben gerade weil er zurückhaltend und nüchtern ist.

Im Zentrum des Films stehen Ehsanullah aus Afghanistan und Nazlije aus Albanien. Ehsanullah stammt aus einer armen Bauernfamilie und ist alleine aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Seine Flucht hat viel Geld gekostet. Geld, dass er möglichst rasch zurück bezahlen muss. Deshalb möchte er lieber arbeiten, als in die Schule zu gehen. Nazlije ist in die Schweiz gekommen, weil ihre Mutter verstorben ist.

«Nazlije und Ehsanullah sind Macher», sagt Anna Thommen über ihre beiden Protagonisten. «Sie sind keine Showmenschen oder können nicht besonders gut sprechen, das war nicht der Grund, warum sie mich beeindruckt haben. Sondern sie kämpfen und kämpfen immer weiter.»

Im Film sticht aber auch der Klassenlehrer Christian Zingg hervor. Mit unermüdlicher Geduld setzt er sich für seine Schützlinge ein. Eine Filmszene zeigt, wie schwer es Schülern und Lehrer fällt, als sie sich nach zwei Jahren voneinander verabschieden müssen.

Was soll der Film bewirken?

«Ich wollte den Film machen, weil ich finde, dass wir in Parallelgesellschaften leben. Immer und überall wird von Integration gesprochen, aber niemand weiss, was das eigentlich heisst und was man dafür leisten muss. Und zudem wollte ich auch, dass die Menschen hinter einer Nationalität oder einer Herkunft sichtbar werden», so Anna Thommen gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF.

Sie wolle Stereotypen entkräften und zeigen, welche Kraft und welche Hoffnung die jungen Menschen mitbringen. Es brauche in unserer Gesellschaft mehr Verständnis für die jungen Migranten und Migrantinnen. «Wir müssen ihnen einen Platz zugestehen», so Thommen.

Vielleicht...

Anna Thommen gewann 2013 den Baselbieter Förderpreis und ist für mehrere Preise nominiert. «Das bedeutet für mich, dass ich vielleicht einmal vom Filmen leben kann». Vielleicht. Denn es sei sehr schwierig. Vieles werde nicht bezahlt. Sie habe «Neuland» nur realisieren können, weil sie noch studiert habe und Stipendien erhalten habe. «Nun komme ich in die freie Wildbahn.» Die meisten FIlmschaffenden müssten sich mit Nebenjobs über Wasser halten. «Sehr schnell gerät man dann in eine Spirale und nimmt bezahlte Aufträge an. Und dann hat man keine Zeit mehr für die eigentlichen Filme.»