Zu wenig Pflegepersonal? Nicht in Basel.

Das Thema Pflegenotstand - also zu wenig Pflegerinnen und Pfleger - ist in der Schweizer Wirtschaft und Politik ein Dauerbrenner. Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vor einem Jahr sowieso. Was für die Schweiz gilt, gilt aber nicht für Basel. Hier ist die Situation entspannt.

Junge Pfleger am Ausfüllen von Krankenakten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zu wenig Pflegepersonal? Nicht in Basel! Keystone

Die ganze Schweiz macht sich Sorgen um zukünftiges Pflegepersonal. Spätestens seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative hat das Wort «Pflegenotstand» Hochkunjunktur. Anders als die Schweiz tickt Basel.

«  In der Region Basel haben wir keinen Pflegenotstand. »

Martin Birrer
Direktor Abdullam-Stiftung

In Basel sei man weit davon entfernt, von einem Pflegenotstand zu sprechen, sagt der Sprecher des Universitätsspitals Basel Martin Jordan. Dasselbe sagt auch Martin Birrer, Direktor der Abdullam Stiftung, die sich für betagte, kranke und pflegebedürftige Menschen einsetzt.

Zahlen untermauern diese Wahrnehmung: Berufe im Bereich Gesundheit sind beliebt. Sie sind auf dem dritten Platz nach den kaufmännischen Berufen und Berufen im Detailhandel.

Hype oder Tatsache?

Ist der Aufschrei bezüglich fehlenden Pflegepersonals nur Angstmacherei? Nein, sagt Romy Geisser vom Branchenverband Oda, Gesundheit beider Basel. Basel sei als Grenzregion ein Sonderfall.

Ändern könnte sich die vornehme Situation Basels mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Diese neue Regelung könnte zum Problem werden. Es sei jetzt aber noch zu früh, um etwas dazu sagen zu können, sagt Martin Jordan vom Universitätsspital Basel.

Nicht mehr Personal, sondern weniger Stellen

Dass man in der Region alle Stellen besetzen könne, das habe jedoch auch damit zu tun, dass es weniger Stellen gebe, sagt Daniel Simon vom Berufsverband der Pflegefachpersonen. Im Akutbereich habe man Stellen gestrichen, da der Bedarf seit Einführung der Fallpauschale gesunken sei. Und man müsse immer auch bedenken, wie man eine Stelle besetzt: «Es fehlt an diplomiertem Pflegepersonal.»

Dass die Besetzung der Stellen in Zukunft schwieriger werden könnte, davon ist auch Martin Birrer überzeugt. Für ihn liegt das Problem aber vor allem in der demografischen Entwicklung - zu wenig junge Menschen müssen sich in Zukunft um zu viele alte Menschen kümmern.

So oder so: Die Branche würde sich einen Gefallen tun, wenn sie das Etikett «Notstand» abschütteln würde. Dann wäre sie auch für den Nachwuchs noch attraktiver.

(Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)