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100 Jahre Berufsberatung Bern Über Berufswünsche und wirtschaftliche Realitäten

In den Anfängen war die Berufsberatung noch mehrheitlich eine Lehrlingsfürsorge. Heute schmiedet sie an Laufbahnen mit.

Foto eines Blatts mit Sprechstunden-Angaben von Montag bis Samstag
Legende: Eine Abteilung für Knaben, eine für Mädchen: In der Berufsberatung hat sich Vieles verändert seit den Anfängen. zvg/BIZ Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern

Angefangen hat alles 1918, am Ende des Ersten Weltkrieges. In Thun entstand damals die erste Berufsberatungsstelle des Kantons Bern. Der Lehrer Albert Münch errichtete sie auf eine Initiative von engagierten Bürgern hin.

Doch mit der Vorstellung einer Berufsberatung, wie wir sie heute kennen, hatte das wenig zu tun. Münch kümmerte sich um ausgebeutete Lehrlinge und verhandelte mit den Lehrmeistern, steht in der Dokumentation des Kantons Bern zum 100-Jahr-Jubiläum.

«Früher musste man bezahlen für eine Lehrstelle», sagt Willi Schweizer, der stellvertretende Leiter der Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern BIZ. «Man war damals der Auffassung, dass der Berufseinstieg über eine Berufslehre etwas koste.»

Diagnosekoffer und Mädchenberufe

Auch die Berufswahl lief anders ab und veränderte sich über die Jahre. Um Fähigkeiten und Charakter zu testen und jemandem einen Beruf zu empfehlen, war lange Zeit ein so genannter Diagnosekoffer im Einsatz – noch bis in die Sechzigerjahre.

Koffer unter anderem mit Sehtest
Legende: Der Diagnosekoffer: Allerlei Fähigkeiten wurden bei der Berufsberatung damit getestet. zvg/BIZ Berufsberatungs- und Informationszentren des Kantons Bern

Junge Frauen wurden früher ganz anders beraten als junge Männer. Den Frauen wurden bestimmte Berufe nahegelegt, etwa solche im Gesundheitsbereich.

Pflegefachfrau auf Broschüre aus den 1960er-Jahren.
Legende: Die Berufsberatungen richtete sich früher stark nach Geschlechterklischees: Broschüre für Gesundheitsberufe aus den 1960er-Jahren. Urs Gilgen/SRF

Heute sei das natürlich ganz anders, sagt Willi Schweizer von den BIZ im Kanton Bern. Aber man sei noch nicht dort, wo man wolle: «Leider sind die Geschlechter in den Berufen noch nicht so durchmischt, wie wir es gerne hätten.» Aber es gehe vorwärts. Der Malerberuf etwa war früher Männersache, heute sei er das nicht mehr.

Karten mit Comicfiguren und fiktiven Berufen
Legende: Berufsberatung im Jahr 2018: Wie wär's mit Profi-Gamer/Gamerin? Oder Bundesrat/Bundesrätin? Urs Gilgen/SRF

Geändert habe sich auch die Arbeitsweise: «Früher wollte ein Berufsberater alles über ein Berufsfeld im Kopf haben. Das geht natürlich nicht mehr. Die Berufe und die Weiterbildungsmöglichkeiten verändern sich unterdessen viel schneller», sagt Willi Schweizer.

Die Hälfte sind Erwachsene

Die Berufs-, Laufbahn- und Studienberatung ist heute eine Selbstverständlichkeit. 70'000 Leute nehmen die Dienste im Kanton Bern jedes Jahr in Anspruch. Dabei gehe es darum, eine Balance zwischen persönlicher Entfaltung und nachhaltiger Arbeitsmarktfähigkeit zu finden, heisst es in einer Dokumentation des BIZ Kanton Bern.

Das betrifft nicht nur Jugendliche, die den Berufseinstieg machen, sondern auch die Laufbahn von Erwachsenen. Die Hälfte der Leute, die sich beim BIZ melden, sind heute Erwachsene. Sie wollen ihre Karriere mithilfe der Laufbahnberater in neue Bahnen lenken.

Welche Rolle spielen die Ansprüche der Wirtschaft? Ist die Beratung auch Durchlauferhitzer für das Gewerbe? «Nein, sind wir nicht», sagt Willi Schweizer vom BIZ des Kantons Bern. Die Interessen und Fähigkeiten der Leute stünden im Vordergrund. Klar habe man die Arbeitsmarktsituation im Auge. «Aber es nützt niemandem, wenn Leute in Berufen sind, die ihnen nicht gefallen oder liegen.»

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