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175 Jahre Berner Diakonie Das Leben als Diakonisse ist ein aussterbendes Modell

Die Berner Stiftung feiert 175 Jahre – und erfindet sich neu. Bleiben soll das Ziel, Not in der Gesellschaft zu lindern.

Legende: Audio Schwester Erika über ihr Leben als Diakonisse abspielen. Laufzeit 04:52 Minuten.
04:52 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 17.01.2019.

Die Schwesterngemeinschaft Diaconis in Bern ist am Aussterben. Zwar habe es noch ab und zu Anfragen von jüngeren Frauen gegeben, die eintreten wollten, erzählt die bald 80-jährige Schwester Erika. «Das waren meistens Frauen mit psychischen Problemen. Das verkraften wir nicht mehr, so jemanden zu tragen.» Zudem: «Was will eine junge Frau bei den alten Grossmüttern?» Also hat die Gemeinschaft von heute noch 32 Schwestern beschlossen, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen.

175 Jahre im Dienst der Gesellschaft

Die Geschichte der Stiftung Diaconis begann mit der Patriziertochter Sophie von Wurstemberger, geboren 1809. Sie hatte bereits in jungen Jahren Krankenbesuche gemacht. 1836 schlossen sich auf Sophies Anregung hin gleichgesinnte junge Frauen zu einem «Krankenverein» zusammen, schreibt die Stiftung Diaconis.

1845 begann Sophie von Wurstemberger damit, Diakonissen auszubilden. Wesentliche Anstösse dazu hatte sie auf einer Reise nach England durch Elizabeth Fry erhalten, welche das Gefangenenwesen reformierte, und in Deutschland durch Pfarrer Theodor Fliedner, der die Mutterhausdiakonie ins Leben rief.

Ledige Frauen «unter der Haube»

Fliedner hatte angefangen, junge unverheiratete Frauen auf der Grundlage des Glaubens in pflegerischer und pädagogischer Arbeit auszubilden. Das Leben von unverheirateten Frauen im bürgerlichen Elternhaus war oft eintönig, da sie keinen Beruf erlernen konnten. Pfarrer Fliedner kleidete die Diakonissen, wie er sie nannte, in eine Tracht. Er brachte sie im wahrsten Sinne des Wortes «unter die Haube». So sahen sie verheirateten Bürgersfrauen zum Verwechseln ähnlich und waren somit gesellschaftlich anerkannt.

In Bern stieg über die Jahre die Nachfrage nach den gut ausgebildeten Pflegerinnen. 1888 wurde das Salem-Spital eingeweiht, 1933 wurde die Schule für Allgemeine Krankenpflege des Diakonissenhauses durch das Schweizerische Rote Kreuz anerkannt. In der Folge wurden vermehrt auch Krankenschwestern ausgebildet, die nicht als Diakonissen ins Haus eintraten.

Diaconis heute

Heute betreibt die Stiftung Diaconis in Bern drei Altersheime und eine Seniorenresidenz, seit 1995 werden bei Diaconis im Kleinspital Menschen auf dem letzten Lebensabschnitt begleitet. Bei dieser «Palliative Care» ist die Stiftung aktuell auf der Suche nach neuen Finanzierungsmodellen. Zum Beispiel, wenn Patienten auf der Palliativ-Station länger leben, als die 30 Tage, die von der Krankenkasse übernommen werden.

Bisher habe man solche Patienten verlegen müssen, in ein Spital oder nach Hause. Für Hans Zoss, Präsident des Diaconis-Stiftungsrats, ein Unding: «Für Menschen, die im Sterben liegen, ist das ein weiter Weg. Das wollen wir künftig verhindern.»

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Willi Meier (wm)
    Sich für andere ohne grosse Bezahlung aufzuopfern ist aus der Mode gekommen. Es ist sehr schade, wenn die Diakonissen verschwinden. Diakonissen kannten keine Teilzeit und waren in der Krankenpflege praktisch sieben Tage in der Woche während mindestens 10-12 Stunden für ihre Patienten da, kannten deren Bedürfnisse und taten ihr Bestes, um zu helfen. Heutzutage muss man mit KrankenpflegerInnen leben, die alle Teilzeit arbeiten. Man muss froh sein, die gleiche Person mehr als zwei Mal zu sehen.
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