3D-Drucker machen Operationen am Berner Inselspital sicherer

Wenn Chirurgen des Inselspitals eine heikle Operation in Angriff nehmen, dann haben sie diesen Eingriff vielleicht schon einmal gemacht. Dann nämlich, wenn sie sich vorher ein 3D-Modell von der Uni Bern machen liessen.

Eingriffe am Hirn, am Herzen, bei einer Leberoperation oder an der Wirbelsäule sind besonders heikel. Hier darf sich der Operateur keinen Fehler erlauben, will er nicht weiteren Schaden anrichten. Aus diesem Grund ist eine minutiöse Operationsplanung sehr wichtig.

Und da gehen die Ingenieure der Uni Bern den Aerzten zur Hand. Das Artorg-Forschungszentrum für biomedizinsches Engineering liefert den Chirurgen das genaue Abbild des Organs, das zu operieren ist. Produziert werden die Modelle innert Stunden mit dem 3D-Drucker. «Wir können so den Chirurgen ihr Arbeitsfeld plastisch liefern und erlebbar machen», sagt Institutsleiter Professor Stefan Weber, «damit ist auch eine präzise Operationsplanung und die Information des Patienten möglich.»

3D-Bilder werden auch zu 3D-Modellen

Grundlage dieser Modelle sind die riesigen Datenmengen aus dem Computertomografen, aus MRI-Geräten und Röntgenbildern. Diese werden aufbereitet und steuern danach den 3D-Drucker. Dieser schichtet feinstes Gipspulver zum Modell, farbig und hochpräzise. Einen Millimeter schafft das Gerät in gut anderhalb Minuten. 3D-Drucker sind als Fertigungsmethode in der Industrie zwar gang und gäbe - aber die enge Verknüpfung von Ingenieurwissen und ärztlichen Bedürfnissen sei zumindest in Europa selten, so die Einschätzung von Stefan Weber. Und die Entwicklung geht rasant weiter. In Richtung Herstellung von Prothesen, Operationsrobotern und Entwicklung von ganzen Organen aus biologischem Grundmaterial.

Operationen werden sicherer

Für Professor Jan Gralla, Chefarzt Neuroradiologie am Inselspital Bern, war die Verfügbarkeit solcher Modelle «ein durchaus wichtiger Schritt». Sie dient den Chirurgen wie auch jungen Aerzten, die ihr Handwerk lernen können, ohne den Patienten berühren zu müssen.

Für Jan Gralla steht fest, dass damit die oft sehr anspruchsvollen und komplexen Operationen sicherer werden. «Wir haben nicht nur die Operation schon mal gemacht. Sondern wir haben die Operation an diesem individuellen Patienten schon mal gemacht.».