Minderjährige Asylsuchende Asylsuchende ohne Eltern sind auf spezielle Betreuung angewiesen

Im Kanton Bern leben rund 500 minderjährige Asylsuchende ohne Eltern. Der Grossteil von ihnen ist in einem der sieben speziellen Wohnheimen untergebracht, gut 70 leben bei Pflegefamilien. Die traumatisierten Jugendlichen haben es schwer, sich zu integrieren.

Sher ist als 14-Jähriger aus Afghanistan geflüchtet und lebt seit fast zwei Jahren bei der Familie Mosimann in Oppligen zwischen Münsingen und Thun. Gut 70 der rund 500 minderjährigen Asylsuchenden im Kanton Bern leben in Pflegefamilien, der Grossteil aber in einem der sieben speziellen Wohnheimen. Pascal und Nicole Mosimann haben drei eigene Kinder und drei Plätze für Pflegekinder. Sher ist der erste minderjährige Asylsuchende, der bei ihnen lebt. Sie hätten sich erst überlegen müssen, ob sie Sher aufnehmen, sagt Pascal Mosimann.

«  Sher bringt einen Rucksack mit, der sich auch auf den Umgang mit ihm im Alltag auswirkt. »

Pascal Mosimann
Pflegevater

Bis spät nachts in Bern in den Ausgang, darin sieht Sher nichts Gefährliches. Schliesslich habe er auf der Flucht viel Gefährlicheres erlebt, sagt er jeweils seinem Pflegevater. «Was soll ich da noch sagen», meint Pascal Mosimann, «er hat ja Recht.» Deshalb könnten er und seine Frau Sher nicht gleich behandeln, wie die eigenen drei Kinder.

Möglichst schnell selbständig werden

Für die Betreuung und Unterbringung der minderjährigen Asylsuchenden ist die Organisation Zentrum Bäregg zuständig. Nicht für jeden Jugendlichen sei eine Pflegefamilie der richtige Platz, sagt Mediensprecherin Katrin Pfrunder. «Die Leute denken immer, dass Asylsuchende ohne Eltern in einer Familie am besten aufgehoben sind. Aber unsere Organisation entscheidet nach Entwicklungsstand und nach den Bedürfnissen der Jugendlichen über die Wohnform.»

Ziel ist es, dass die Jugendlichen mit 18 Jahren selbständig sind. Ab diesem Stichtag erhält die Zentrum Bäregg GmbH nur noch die Pauschale des Bundes von 36.50 Franken pro Tag und Asylsuchender. Für minderjährige Asylsuchende gibt es 171 Franken pro Tag.

Um so wichtiger ist es, dass die Jugendlichen rasch auf eigenen Füssen stehen - auch finanziell. Diyar aus Syrien lebt seit drei Jahren in einem der speziellen kantonalen Wohnheime und hat im August eine Coiffeurlehre begonnen. «Das ist mein Traumberuf», sagt der 16-Jährige. Die Lehrstelle habe er allerdings nur dank Vitamin B erhalten, sagt Diyar. Der Besitzer des Coiffeursalons ist ein entfernter Verwandter.

«  Minderjährige Asylsuchende haben es schwer, eine Lehrstelle zu finden. »

Katrin Pfrunder
Zentrum Bäregg GmbH

Ein Lehrmeister muss erst nachweisen, dass er keinen Schweizer Lehrling gefunden hat, bevor er die Lehrstelle einem Asylsuchenden gibt. «Das ist die eine Hürde, die die Lehrstellensuche für minderjährige Asylsuchende schwierig macht», sagt Katrin Pfrunder von der Zentrum Bäregg. Die andere sei, dass es nicht klar sei, wie lange die minderjährigen Asylsuchenden in der Schweiz bleiben können. «Je nach Asylentscheid werden sie mit 18 Jahren ausgeschafft.»

An das mögen Sher und Diyar nicht denken. Sie versuchen sich trotz traumatischer Erlebnisse möglichst schnell und gut zu integrieren und trotz allem positiv in die Zukunft zu schauen.

(Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr)