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Wann kommen Asylsuchende nach Prêles?
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Asylzentrum Prêles «Unser Ziel ist Wegweisung, nicht Integration»

Der Kanton Bern will abgewiesene Asylsuchende, die Nothilfe beantragen, im ehemaligen Jugendheim in Prêles unterbringen. Bis Ende Jahr soll dort ein Rückkehrzentrum mit 350 bis 450 Plätzen entstehen. Dieses Zentrum ist jedoch umstritten. Gegenüber SRF News nimmt der zuständige Amtsleiter Stellung.

Markus Aeschlimann

Markus Aeschlimann

Amtsvorsteher

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Markus Aeschlimann ist seit 2007 Vorsteher des Amts für Migration und Personenstand des Kantons Bern. Das Amt kümmert sich um die Themen Migration, Reisepapiere, Zivilstand und Einbürgerung.

SRF News: Wie läuft das in der Praxis ab, in welchen Fällen kommen die Leute nach Prêles?

Markus Aeschlimann: Grundsätzlich haben sie vom Bund einen Wegweisungsentscheid und müssen die Schweiz verlassen. Wenn das aus irgendwelchen Gründen wirklich nicht geht, dann können sie beim Kanton Bern Nothilfe beantragen, aber das ist freiwillig. Der Kanton Bern bietet ihnen in Prêles ein Dach über dem Kopf, medizinische Notversorgung und Essen. Aber natürlich wollen wir, dass sie ausreisen. Es soll auch unattraktiv sein.

Die Leute sind zum Teil schon länger in der Schweiz, sind integriert, haben Kurse besucht, haben Bekannte hier – was erwarten Sie, wenn man ihnen sagt, jetzt müssen sie nach Prêles?

Sie haben ja schon einen Wegweisungsentscheid, das ist nichts Neues. Jetzt wird einfach die Rückkehrberatung verstärkt, weil das neue Verfahren klar sagt: rascher Vollzug.

Sie sagen Rückkehrberatung – man kann auch sagen: Druck?

Man kann auch sagen Druck. Für uns ist relevant, dass die Leute einen Wegweisungsentscheid haben und ausreisen könnten, wenn sie wollten. Man kann sie vielleicht nicht zwangsweise zurückschaffen, weil es mit ihrem Land kein Abkommen gibt, aber freiwillig können sie immer gehen.

Was passiert, wenn ihr sie Land nicht zurücknimmt, bleiben sie über Monate oder Jahre in Prêles?

Ja, wenn sie Nothilfe beantragen. Darum ist unser Ziel, vor Ort adäquate Beratung anzubieten und ihnen klar aufzuzeigen, was das hier bedeutet. Mir ist persönlich auch klar, dass es manchen Leuten hier besser geht als dort, wo sie herkommen.

Mir ist klar, dass es manchen Leuten hier besser geht als dort, wo sie herkommen.

Sie sagen sich, ‹mir reicht ein Dach über dem Kopf, medizinische Notversorgung und Essen›. Das sind zum Teil Langzeitnothilfebezüger und das ist ein grosses Problem.

Helferinnen und Helfer, die sich gegen Prêles stellen, kritisieren, dort finde keine Integration mehr statt …

Es ist ganz einfach: Unsere Asylgesetzgebung will Integration von Beginn an für die, die in einem Verfahren sind. Für alle, die einen Wegweisungsentscheid haben, gilt: Der Vollzug soll konsequent erfolgen. Das ist die Zielsetzung, die wir haben, und nicht Integration.

Was antworten Sie denen, die sagen, es sei unmenschlich, diese Leute nicht mehr zu integrieren?

Es gibt immer zwei Seiten: die Rechtliche mit dem klaren Wegweisungsentscheid, und die Menschliche. Ich verstehe diese Seite auch, das sind Einzelschicksale. Wir müssen das Gesetz umsetzen, wir haben einen Auftrag des Bundes. Der Bund setzt voraus, dass der Kanton die Wegweisung und die Rückkehr an die Hand nimmt.

Das Gespräch führte Christian Liechti.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Solange das geltende Asylgesetz (Wegweisungen nach ablehnendem Asylentscheid) nicht eingehalten wird und die "Gutmensch-Industrie" mit allen Mitteln versucht, die abgewiesenen Leute trotzdem hier zu behalten (und sogar weiter mit Millionenbeträgen zu integrieren), wird keiner freiwillig den "Honigtopf" Schweiz verlassen! Die Fragen von Christian Liechti im obigen Bericht, zeigen die falschen Ideologien deutlich auf! Irgend einmal "chlöpfts" (Die Steuerzahler könnten ihre Geduld verlieren!)
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    1. Antwort von Christian Gerber  (cgk)
      So lange gut integrierte junge Leute, die eine Lehre machen und ihr Ausbildner bestens mit Ihnen zufrieden ist ausgeschafft werden sollen, bin ich gerne für Sie ein Gutmensch und wehre mich dagegen. Und - was verstehen Sie Herr Bolliger genau unter „chlöpfts“, würden Sie das bitte präzisieren?
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    2. Antwort von Jürg Schneider  (68er)
      1. Wer sich mit "Weggewiesenen" beschäftigt, weiss, dass sehr viele Weggewiesene nicht weggehen können, niemand will sie auf der Welt. Falls sie zurück in ihr Herkunftsland gehen, werden sie dort verhaftet, gefoltert, in einen Zwangsnationaldienst gezwungen. Sie können gar nicht weggehen.
      2. Eine "Gutmensch-Industrie" gibts nicht, es sind fast immer Freiwillige, die für Abgewiesene, nicht Verbrecher, noch menschliche Gefühle aufbringen. Gutmenschen ist ein Kompliment kein Schimpfwort.
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