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Legende: Audio Nach oben gebaut: In Wabern hat es funktioniert abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
04:13 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 18.04.2019.
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Aufstockung von Häusern Wenn das Dach als Bauland genutzt wird

In Wabern hat man es erfolgreich gemacht – in Ostermundigen sorgt ein Aufstockungsprojekt aber für grossen Widerstand.

Ohne zusätzlichen Boden zu verbauen, hat man in der Siedlung Nessleren in Wabern 60 Prozent mehr Wohnraum geschaffen. Statt knapp 200 gibt es dort jetzt 325 Wohnungen. Die bestehenden 33 Wohnblöcke hat man um zwei Stockwerke erhöht, den Rest der Gebäude aus den 1980er-Jahren hat man umfassend saniert.

Aufstocken statt alles abreissen, das war in der Nessleren die Devise. «Bei einem Abriss hätten wir gute Bausubstanz vernichtet», sagt Christoph Stäger von Previs. Die Vorsorgestiftung besitzt einen grossen Teil der Wohnungen in der Nessleren.

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Legende:ZVG/Previs Vorsorge

An die Blöcke aus den 1980er-Jahren erinnert heute nichts mehr. In drei Etappen fand der Umbau statt. Man habe darauf geachtet, dass immer ein Teil der Wohnungen bewohnbar blieb, so Christoph Stäger. 15 Prozent der Mieter machten diesen Umbau mit und zogen von einer alten in eine neu sanierte Wohnung.

So auch das Ehepaar Linder. Klar war das allerdings nicht von Anfang an. «Es war ein Schock, als wir von den Plänen hörten», sagt Andrea Linder. Der Baulärm und der künftige Mietzins habe ihnen Sorgen gemacht. Das Wohnen sei anonymer geworden. «Früher traf man sich im Treppenhaus, heute steigt man in den Lift und sieht niemanden mehr.» Trotzdem: Sie ist froh, geblieben zu sein.

Widerstand in Ostermundigen gegen Aufstockung

Was in der Nessleren gelang, soll nun auch in Ostermundigen realisiert werden. In der Siedlung Lindendorf – ebenfalls eine Siedlung aus den 1980er-Jahren. Die drei- bis vierstöckigen Gebäude sollen zwei bis drei Stockwerke mehr bekommen.

Man nimmt uns unsere Heimat.
Autor: Willy RüfenachtBewohner im Lindendorf

Adelheid und Willy Rüfenacht freut das gar nicht. Die beiden sind über 80 Jahre alt und wohnen seit 38 Jahren in einer Attikawohnung. «Man nimmt uns unsere Heimat, wenn diese Aufstockung kommt», sagt Willy Rüfenacht. Und seine Frau fragt sich: «Warum hat man nicht in den Neubausiedlungen gerade höher gebaut?»

Ostermundigens Gemeindepräsident Thomas Iten kann diese Kritik nachvollziehen. «In den letzten Jahren hat sich in der Raumplanung viel verändert.» Aber das Aufstockungsprojekt im Lindendorf habe ihn überzeugt und entspreche den heutigen Grundsätzen der Siedlungsentwicklung.

Stimmbürger entscheiden über Aufstockung

Gegen die Überbauungsordnung, die die Aufstockung möglich machen soll, haben Rüfenachts und andere Kritiker das Referendum ergriffen und 800 Unterschriften gesammelt. 300 wären nötig gewesen. Voraussichtlich im Oktober entscheidet nun das Stimmvolk.

Kulturland schützen, indem man aufstockt: Für Lukas Bühlmann, Direktor von Espace Suisse, dem schweizerischen Verband für die Raumplanung, ist das eine gute Option. Allerdings stehe man damit erst am Anfang.

Wichtig bei solchen Projekten sei, dass man die Betroffenen gut einbeziehe und eine Gesamtplanung mache, sagt Lukas Bühlmann. Sonst könnten solche Projekte leicht Schiffbruch erleiden.

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr; madb;kocm

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2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Tellensohn (Witzbold)
    Es gibt schweizweit sowieso viel zu viele Einsprachen, welche jeder rechtlichen Grundlage entbehren. Von mir aus sollten die entscheidenden Baubehörden viel mehr solche Einsprachen zum Voraus ablehnen. Bei Erfolglosigkeit solcher Einsprachen müssten alle Einsprecher für Folgekosten der Bauherrschaft aufkommen. So würden viele Einsprachen schon gar nicht gemacht und das Bauen würde günstiger.
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  • Kommentar von W. Tellensohn (Witzbold)
    Das neue Raumplanungsgesetz schützt mit dem verdichteten Bauen unser noch vorhandenes Gut an Grünflächen. Das verlangt von allen Bürgern Einschränkungen, auch von den Rüfenachts. Ihr Einwand ist nur dann verständlich, wenn sie diese Wohnung als Eigentum besitzen. Sind sie jedoch Mieter, dann icht der Einwand unverständlich und egoistisch. Über die Realisierung dieses tollen Vorhabens soll einzig und allein die bestehende Bauordnung von Gemeinde und Kanton entscheiden und nicht das Stimmvolk.
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