Bergbahnen Gstaad: Eine Rosskur zum Überleben

Die Gemeinde Saanen will die seit Jahren finanziell angeschlagene Bergbahn-Gesellschaft endgültig sanieren. Sie will in den nächsten fünf Jahren 80 Millionen Franken investieren, um die wichtigen Bahnen zu erneuern.

Eigentlich weiss im Saanenland jeder, weshalb die Bergbahnen der Destination Gstaad BDG seit 20 Jahren in der finanziellen Klemme stecken. Die Gesellschaft muss zuviele unrentable Bahnen und defizitäre Berghäuser betreiben. Die Anlagen, vor einer Generation noch ein Hingucker, sind mehrheitlich veraltet, teuer und stehen zum Teil am falschen Ort. Sie sind keine Visitenkarte mehr für die noble Tourismus-Weltmarke Gstaad.

Die Halle war voll. Blick von hinten auf die Bühne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Halle war voll. Die Bergbahnen bewegen die Leute von Saanen. SRF

Diverse Sanierungsversuche sind trotz Millionen von Franken gescheitert, weil zu viele Einzelinteressen im Weg standen. Denn: Bahnen einzustellen und Berghäuser nicht mehr zu bewirten, ist ein schmerzlicher Eingriff. Dazu ist die BDG geknebelt mit zu teuren Verträgen für die Entschädigung von rund 400 Landeigentümern, die doppelt so viel Geld erhalten wie der Durchschnitt im Schweizer Wintergeschäft.

«Das ist ein Weltrekord, wie ich ihn noch nie gesehen habe», sagte der Bergbahn-Experte Roland Zegg von Grischconsulta am Montagabend an einer Informationsveranstaltung in der Tennishalle Gstaad.

Die Gemeinde zieht nun die Notbremse

Über Jahrzehnte akzeptierten die Gemeindeversammlungen von Saanen jede Unterstützung der Bergbahnen klaglos. Die reiche Gemeinde hat astronomische Summen in die Anlagen investiert. Doch diese Grosszügigkeit ist Vergangenheit. In den letzten Jahren wurden die Vorbehalte und die Kritik aus der Bevölkerung immer deutlicher.

Jetzt haben es die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Saanen am 24. Oktober in der Hand. Ein letzter Kraftakt soll die Sanierung der BDG sicherstellen. Der Winterbetrieb 2014/15 ist zwar noch gesichert – doch es müssen grobe Pflöcke eingeschlagen werden.

Aktien werden abgeschrieben

Die Gemeinde Saanen schlägt als Hauptaktionärin eine Rosskur vor: 85 Prozent des Aktienkapitals oder 41 Millionen sollen abgeschrieben, 32 Millionen Franken Schulden getilgt und auf Guthaben verzichtet werden. Im Gegenzug braucht es rund 30 Millionen Franken neues Aktienkapital, dazu zweistellige Millionenbeträge für Leistungsbeiträge und in den nächsten fünf Jahren über 80 Millionen und das nur, um die wirklich notwendigen Bergbahnen zu erneuern.

Blick auf eine Piste mit den Schatten einer Seilbahn. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Gemeinde Saanen muss ihr Seilbahnangebot grundlegend umstrukturieren. Keystone

Das heisst auch: Bahnen wie Wispile, Eggli oder Rellerli haben allenfalls noch eine Chance als Sommerbahn, aber nicht mehr als Transportmittel für Wintersportler. «Wir haben jetzt alles durchgerechnet. Es gibt keinen anderen Weg. Aber es ist heikel. Wenn wir als Alternative mit Nachlassstundung oder Konkurs kommen, wird dies gleich als Drohung und Erpressung wahrgenommen», ist sich Gemeindepräsident Aldo Kropf bewusst. Aber er sagt auch: «Wir haben jetzt seit Monaten verhandelt und alle Energie in eine erfolgreiche Sanierung gesteckt. Wenn die Stimmberechtigten ablehnen, müssen wir uns die Alternativen im Detail überlegen.»

Steuererhöhung nötig

Der Sanierung müssen auch noch die anderen Gemeinden im Saanenland, im Obersimmental und im Waadtländer Pays d’Enhaut zustimmen. Dazu kommen die Kantone Bern und Waadt, die Banken sowie die Bürgschaftsinhaber.

Sogar die reiche Gemeinde Saanen, die bei dieser Sanierung etwa 35 Millionen Franken neu zur Verfügung stellen muss und rund 10 Millionen abschreibt, kann diesen Brocken nur mit einer Steuererhöhung um zwei Zehntel finanzieren. Darüber entscheiden die Stimmberechtigten im Dezember.

Erste Reaktionen aus der Bevölkerung nach dem Informationsabend von Montag deuten darauf hin, dass sich eine Mehrheit der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst ist.