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Bern und die Nachhaltigkeit Wo endet die Kompetenz der Stadt?

Jetzt das Essen: Die Berner Stadtregierung will den Leuten sagen, was sie essen sollen. Das sorgt für Kritik.

Wie in anderen Städten auch kümmert sich die Berner Stadtverwaltung um ganz verschiedene Dinge. Um die Abfallentsorgung, sie lässt Grünanlagen pflegen oder Wasserleitungen sanieren.

Sie will aber auch nachhaltiges und umweltbewusstes Leben fördern. Zum Beispiel in Kindertagesstätten oder Tagesschulen, wo nur noch selten Fleisch aufgetischt wird. Oder sie organisiert ein Food-Festival, um die Leute zu sensibilisieren.

Die Stadt mischt sich immer mehr ein.
Autor: Dolores DanaFDP-Stadträtin

Das geht den bürgerlichen Parteien zu weit. Stadtparlamentarierin Dolores Dana von der FDP stört es, dass sich die Stadt beim Essen ins Private einmischt: «Der Bürger wird bevormundet.»

Die Stadtregierung verteidigt sich

In Bern regiert seit 26 Jahren ein Rot-Grün-Mitte Bündnis. Die Stadtregierung hält umweltbewusstes Leben für wichtig. Und da gehöre nun mal das Aufklären der Bevölkerung dazu, gerade auch beim Essen, sagt CVP-Gemeinderat Reto Nause. «Nahrungsmittelsicherheit ist eine staatliche Aufgabe», so Reto Nause. «Angesichts der Verschwendung von Nahrungsmitteln ist es ökologisch und auch ökonomisch wichtig, die Leute aufzuklären.»

Ein Netzwerk und ein Festival

Die Stadt hat mit Vereinen, Gastronomen und Lebensmittelproduzenten aus der Region das Netzwerk «Berner Platte 2.0» gegründet. Sie alle wollen die gesunde und vor allem nachhaltige Ernährung fördern. Im September veranstaltet das Netzwerk erstmals ein Food-Festival – die Kulinata.

Die Stadt will die Bevölkerung im September an einem Festival für nachhaltige Ernährung sensibilisieren. Jeweils Anfang August findet ein Velo-Festival statt. Die Leute zu einem umweltbewussten Lebensstil zu bewegen, habe nichts mit Öko-Romantik zu tun, sagt Reto Nause.

Die Nahrungsmittelsicherheit ist eine staatliche Angelegenheit.
Autor: Reto NauseCVP-Gemeinderat

Die Frage bleibt: Wagt sich die Stadt zu weit in neue Bereiche vor? Je nach Ideologie werde diese Frage logischerweise anders beantwortet, sagt Politologe Fritz Sager von der Universität Bern. «Letztlich muss immer wieder eine Debatte stattfinden, was eine Stadt tun soll und was nicht.» Jeder Interessensgruppe stehe es zu, sich einzubringen. Eine solche Diskussion finde in Bern derzeit statt – und das sei gut so.

Fritz Sager vom Kompetenzzentrum für Public Management gibt zu bedenken, dass die Städte in einem Konkurrenzkampf sind. «Städte müssen eine Standortpolitik betreiben, um Steuerzahlern anzuziehen.» Eine Stadt könne sich beispielsweise durch ökologische Themen profilieren.

Den Bürgerlichen in Bern geht das zu weit. Bei der Budgetdebatte im Herbst wollen sie versuchen, die in ihren Augen unsinnigen Erziehungsmassnahmen zu stoppen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und den masslosen Konsum zurückfahren. Der Verschleiss der Natur durch unsere konsumorientierte Lebensweise ist zu gross und gefährdet unsere Lebensgrundlage.  Nachhaltigkeit (Ökologie) ist ein Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.  Das hat mit Bevormundung nichts zu tun. Bravo Stadtverwaltung Bern!
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  • Kommentar von Beat Kessler (KLERUS)
    Theoretisch müsste die Gemeinschaft, also der Staat noch viel weiter gehen. Oder glauben die Damen und Herren der FDP ernsthaft, wir könnten unsere Umweltprobleme auf freiwilliger Basis lösen? Eigentlich ist es schon zu spät, um nachhaltig und freiwillig die Themen anzugehen. Man sieht es ja am gigantischen Konsum von Fleisch und den Milchprodukten, die etwa den gleichen CO2 Ausstoss wie die Automobilindustrie haben. MfG
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