Berner Apotheker sollen impfen dürfen

Impfungen oder Spritzen bei Zeckenbissen: Apothekerinnen und Apotheker sollen im Kanton Bern Impfungen durchführen dürfen – auch ohne Arztrezept. Das Berner Kantonsparlament will damit auch einen Beitrag gegen den Hausarztmangel leisten.

Der Entscheid des Berner Kantonsparlaments ist eindeutig: Mit 130 zu 4 Stimmen hat der Grosse Rat am Montag eine Motion von Mathias Müller (SVP) und Nathan Güntensperger (GLP) angenommen. Somit ist der Weg frei für Impfungen in der Apotheke.

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Bildlegende: Patienten sollen Spritzen auch in der Apotheke erhalten. Keystone

In den Kantonen Zürich und Freiburg können Apotheker neuerdings ohne Rezept sogenannt niederschwellige Impfungen gegen Grippe und die von Zecken übertragende Frühsommer-Meningo-Enzephalitis vornehmen. Voraussetzung ist, dass sie über eine entsprechende Aus- oder Weiterbildung verfügen.

Wenn Apotheker impfen dürften, lasse sich die Durchimpfungsrate steigern, warb Motionär Müller für sein Anliegen. Zugleich würden die Hausärzte entlastet. Ausserdem sei die Neuerung ein konkreter Beitrag gegen die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, ergänzte Mitmotionär Güntensperger.

In der Debatte stiess der Vorschlag auf breite Zustimmung. Das Anliegen sei im Sinn der freien Marktwirtschaft, fand etwa Moritz Müller (SVP). Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) hatte nichts gegen den Vorstoss einzuwenden.

Gegen die Motion stimmten einzig vier EDU-Grossräte. Daniel Beutler machte darauf aufmerksam, dass bei Impfungen allergische Reaktionen auftreten können. Er bezweifle, «dass ein Apotheker nach einem fünftägigen Reanimationskürsli dieser Herausforderung gewachsen ist».