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Berner Bauernhausforscher «Eine eingemauerte Laube tut mir schon ein bisschen weh»

Legende: Audio Heinrich Affolter über seine Bauernhausforschung im Kanton Bern abspielen. Laufzeit 8:35 Minuten.
8:35 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 26.01.2018.

Es ist ein strahlend schöner Wintertag in Jerisberghof, einem kleinen Bauerndorf zwischen Mühleberg und Kerzers. Hier steht das «Althuus», ein über 300-jähriges Gebäude, das heute als Bauernmuseum genutzt wird. Ein idealer Ort für ein Gespräch mit Bauernhausforscher Heinrich Affolter.

SRF News: Heinrich Affolter, Sie haben die letzten 35 Jahre damit verbracht, solche Häuser wie das «Althuus» zu erforschen. Wie geht der Kanton Bern um mit alten Bauernhäusern?

Heinrich Affolter: Im gesamtschweizerischen Vergleich haben wir im Kanton Bern einen sehr reichhaltigen und gut gepflegten Baubestand. Das liegt daran, dass Bauern für ihre Höfe viel Geld aufgewendet haben, es waren auch Repräsentationsbauten. Und dann muss man auch sagen, dass es den Berner Bauern im 18. und 19. Jahrhundert verhältnismässig sehr gut ging.

Was ist das Ziel der Bauernhausforschung?

Die Forschung im Kanton Bern ist Teil einer schweizweiten Initiative. Unser Ziel ist es, den ländlich-bäuerlichen Baubestand der Schweiz zu erfassen und in geeigneter Form, etwa in Buchform, darzustellen.

Geht es auch darum, zu retten, was noch zu retten ist?

Wir stellen das dar, was noch übrig ist. Tatsächlich ist der Verlust gewaltig. Jeden Tag verschwinden Höfe, das sehe ich. Wenn ich vor 30 Jahren ein Dorf besuchte, dann wurde dieser Wiler landwirtschaftlich betrieben. Heute muss ich den Bauern fast suchen.

Heute muss ich den Bauern im Dorf fast suchen.

Tut es Ihnen manchmal weh, wenn Sie sehen, was mit Bauernhäuser gemacht wird?

Es wäre ja komisch, wenn mich ein Eingriff, der wirklich daneben ist, kalt lassen würde. Zum Beispiel eine eingemauerte Laube. Das muss nicht sein, finde ich. Aber noch schlimmer ist, wenn Bauernhäuser abgerissen werden.

Viele Bauernhäuser werden heute umgenutzt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Sehr häufig steht heute die Wohnnutzung im Vordergrund. Deshalb schaut man eigentlich gut zur Bausubstanz. Der beste Schutz für ein Baudenkmal ist, wenn es genutzt wird.

Werden alte Bauernhäuser bewohnt, wird gut dazu geschaut.

Das Problem beginnt eher dort, wo die Nutzung überspannt wird, etwa wenn man ein Bauernhaus in einen halben Wohnblock umfunktionieren will.

Sie gehen Ende Jahr in Pension, Ihre Funktion wird nicht mehr besetzt. Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen. Bedauern Sie es, dass es im Kanton Bern keinen Bauernhausforscher mehr gibt?

Das bedauere ich schon es bisschen. Aber es wird zurzeit abgeklärt, inwiefern die Bauernhausforschung weitergeführt wird. Und ich bin vor allem stolz, dass wir jetzt die wichtigsten Bauernhäuser im ganzen Kanton zwischen Buchdeckeln haben.

Das Gespräch führte Leonie Marti.

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