Berner Forschungsstelle Gurlitt verzögert sich

Das Kunstmuseum Bern hat zwar nun einen Leiter der Forschungsstelle rund um das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ernannt. Die Forschungsstelle kann aber noch nicht loslegen. Schuld ist das hängige Erbscheinverfahren.

Das Kunstmuseum Bern bei Nacht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Kunstmuseum Bern muss warten, ob es das Erbe von Cornelius Gurlitt wirklich antreten kann. Keystone

Der Kunsthistoriker Oskar Bätschmann wird die Forschungsstelle Gurlitt des Kunstmuseums Bern leiten. «Er ist weltweit einer der besten Kunsthistoriker», sagt der Stiftungsratspräsident des Kunstmuseums Bern, Christoph Schäublin. Bätschmann war über mehrere Jahre Mitglied des Stiftungsrats des Kunstmuseums Bern.

Drei Forscherinnen oder Forscher werden ihm in der Berner Forschungsstelle zur Seite stehen, sie sind noch nicht bestimmt. Die Stelle wird selbst keine Entscheidungsbefugnis haben, sondern ihre Befunde der Taskforce der deutschen Regierung und des Freistaats Bayern unterbreiten.

Warten auf Gerichtsentscheid

Doch die Berner Forschungsstelle kann mit ihrer Arbeit noch nicht beginnen. Eine Cousine von Cornelius Gurlitt ficht das Testament an, welches die Kunstsammlung an das Kunstmuseum Bern vermacht. Bis das in München hängige Verfahren abgeschlossen ist, kann die Forschungsstelle nicht auf die Dokumente aus dem Nachlass zugreifen, die benötigt werden, um die Herkunft der Bilder zu klären.

«Die Forschungsstelle beschäftigt sich mit den schriftlichen Materialien, die Cornelius Gurlitt hinterlassen hat», sagt Museumsdirektor Matthias Frehner. In den Akten und Korrespondenzen von Cornelius Gurlitt und dessen Vater will man Hinweise auf die Provenienz der Bilder finden und so eruieren, ob es sich bei einzelnen Werken um Raubkunst handelt.

Ziel sei es, die Bilder baldmöglichst an die Öffentlichkeit zu bringen, sagt Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern: «Die Erwartungen der Öffentlichkeit sind hoch, man möchte Werke sehen. Es ist deshalb unser Ziel, möglichst rasch eine Ausstellung mit ersten Arbeiten vorbereiten und zeigen zu können».

Rückgabe von Raubkunst verzögert sich

Die Feststellung der Provenienzen ist nicht nur im Hinblick auf eine Ausstellung wichtig, die Forschungsstelle soll auch dabei helfen, Raubkunst an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben. «Ärgerlich ist das Ganze auch deshalb, weil die laufenden Restitutionsfälle jetzt blockiert sind», sagt Frehner. Die Rückgabe der drei als Raubkunst identifizierten Bilder werde sich nun beträchtlich verzögern.

Es ist vorgesehen, dass die Forschungsstelle für eine Dauer von sechs Jahren eingerichtet wird. Insgesamt rechnet das Kunstmuseum Bern mit Kosten von drei Millionen Franken. Bis jetzt ist das erste Jahr finanziert. Eine Mäzenin hat einen sechsstelligen Betrag zugesichert und auch der Kanton Bern schliesst eine Beteiligung nicht aus.