Berner Nachtlebenkonzept: «Clubs sind nun Teil der Lösung»

Die Clubbetreiber und die Stadt Bern haben einen gemeinsamen Weg gefunden. Und auch konkrete Probleme wie das wilde Urinieren wurden gelöst.

Vielleicht den spürbarsten - oder riechbarsten - Erfolg dürften die mobilen Toiletten gebracht haben, welche die Stadt im Ausgehviertel obere Altstadt jeweils am Wochenende aufstellt. «Die werden hektoliterweise gefüllt», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause. Würden sie zwischendurch nicht geleert, würden sie an einem Wochenende überlaufen. Der Effekt ist klar: «Der Urin landet jetzt im Behältnis statt im öffentlichen Raum.»

Weitere Erfolge nach einem Jahr Nachtlebenkonzept: Das Sicherheits-Konzept wurde ausgeweitet, Spontanbewilligungen für Partys wurden erteilt.

Und: Man spricht mehr miteinander. Behörden und Clubbetreiber treffen sich regelmässig. «Da werden konkrete Probleme aus dem Alltag geschildert und besprochen», sagt Reto Nause. Und es werde auch in die Zukunft geschaut, gefragt, was gute Entwicklungen wären, die man gemeinsam angehen sollte.

Vom Problem zur Lösung

Auch Rolf Bähler, einer der Vertreter der Nachtclubs in der Projektgruppe, sieht grosse Fortschritte, die im ersten Jahr erzielt worden seien. Wichtig sei vor allem, «dass wir nicht mehr das Problem sind, sondern ein Teil der Lösung».

Es gehe nicht mehr um eine Verhinderungspolitik, sagt Bähler: «Man sucht nicht mehr nach Gründen, weshalb man etwas nicht machen könne, sondern wie man etwas machen kann.»

Noch nicht abgeschlossen ist das Projekt eines Clubs für Jugendliche in den Räumlichkeiten der ehemaligen Sanitätspolizei an der Nägeligasse. Doch das komme voran, sagt Gemeinderat Reto Nause. In den nächsten Wochen werde es dazu einen politischen Entscheid geben, wie auch zum Ausbau des Moonliner-Angebots.

«Knackpunkte» bleiben

Im Jahr 2014 haben zwei Veranstaltungen stattgefunden, die eine sogenannte Spontanbewilligung in Anspruch genommen haben. Es zeige sich schon jetzt, dass es für Veranstalter schwierig sei, die Auflage von maximal 200 Teilnehmer pro Veranstaltung einzuhalten, schreibt der Gemeinderat. Weil solche Veranstaltungen sich auch ohne Werbung rasch verbreiten würden und gut mobilisierten.

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Bildlegende: Party in Bern - wenn möglich konfliktfrei. Keystone

Bei solchen Veranstaltungen bleibe der Lärm ein Knackpunkt.

Bei der im Rahmen des Nachtlebenkonzepts einberufenen Vermittlungsstelle seien nur wenige Anfragen eingegangen. Nach Auswertung dieses Pilotprojekts werde entschieden, ob es nächstes Jahr weitergeführt werde.