Stadtpräsidium Bern Berner Stadtpräsidium: Wie wichtig ist die Frauenfrage?

Bei der Wahl ums Berner Stadtpräsidium am 15. Januar kommt es zur Stichwahl zwischen Alec von Graffenried und Ursula Wyss – also zum Duell zwischen Mann und Frau. Die Frauenfrage spielt im Wahlkampf eine entscheidende Rolle, sagt eine Geschlechterforscherin.

Portrait Wyss und von Graffenried Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stadtpräsident oder Stadtpräsidentin? Die Bernerinnen und Berner entscheiden am 15. Januar 2017. Keystone

Noch nie in der Geschichte der Stadt Bern stand eine Frau an der Spitze der Stadtregierung. Das könnte sich am 15. Januar 2017 ändern: Mit Ursula Wyss (SP) kandidiert neben Alec von Graffenried (GFL) eine Frau für das Berner Stadtpräsidium.

Die Frauenfrage wird im Wahlkampf insbesondere von der SP, aber auch von Franzsika Teuscher (GB) zum Thema gemacht. Teuscher hatte nach dem ersten Wahlgang auf eine Kandidatur für den zweiten Wahlgang verzichtet und betont, sie werde am 15. Januar Ursula Wyss unterstützen. Denn schliesslich seien sie gemeinsam in den Wahlkampf gezogen unter dem Motto «es ist höchte Zeit für eine Frau im Stadtpräsidium».

Frauenfrage zentral

Fabienne Amlinger forscht am Institut für Geschlechterforschung der Univeristät Bern und für sie ist klar: Bei der Wahl ums Berner Stadtpräsidium ist die Frauenfrage zentral. «Es ist wichtig, dass solch hohe politische Ämter auch von Frauen besetzt werden», so Amlinger.

Sollte denn nicht die Sache oder die Person an sich und nicht das Geschlecht im Vordergrund stehen? Natürlich gehe es um die Sache, sagt Amlinger, aber «leider verdeckt das die Realität. Denn wenn es tatsächlich so wäre, dass immer die bestmöglichste Person gewählt wird, wieso werden dann trotzdem in der Mehrheit Männer gewählt?»

«  Die Geschlechterfrage ist nicht überholt – im Gegenteil.  »

Fabienne Amlinger
Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung Uni Bern

In einer Demokratie gehe man davon aus, dass alle sozial relevanten Gruppen gleichmässig vertreten seien, so Amlinger. «Im Bezug auf die Frauen in politischen Ämtern ist das in der Schweiz leider überhaupt nicht der Fall.» Aus ihrer Sicht ist die Geschlechterfrage deshalb heute, im Jahr 2016, nicht überholt – im Gegenteil.