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Berns Renngeschichte Das Rennfieber grassiert im Museum

Autorennen waren in Bern bis 1954 hoch im Kurs. Nun erzählt das historische Museum Geschichten abseits der Rennstrecke.

Selbstverständlich glänzt die Ausstellung mit viel legendärem Blech. Doch den Ausstellungsmachern geht es nicht nur um Tempo, Tacho und Turbo. Sie stellen das grösste Schweizer Sportereignis seiner Zeit in einen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext.

«Vor der Massenmotorisierung und dem Nationalstrassenbau waren Interesse und Begeisterung für starke Motoren und Geschwindigkeit immens», erklärt Kurator Severin Rüegg.

Bern, Monte Carlo, Silverstone und Nürburgring

Zu seinen Glanzzeiten wurde der Rundkurs im Berner Bremgartenwald in einem Atemzug mit Monte Carlo, Silverstone oder dem Nürburgring genannt. Ab 1950 gehörte das Hauptrennen zur neu gegründeten Automobil-Weltmeisterschaft, der heutigen Formel-1-Weltmeisterschaft.

Beim bestbesuchten Grand Prix im Jahr 1948 strömten 126'634 Besucherinnen und Besucher nach Bern. Etwa gleich viele, wie Bern damals Einwohner zählte. Der Ansturm bescherte Gewerbe und Hotels klingelnde Kassen. Und Bern erlebte die ersten Verkehrsstaus seiner Geschichte.

Von Hakenkreuzen und Emmentaler Käse

Auch das politische Weltgeschehen war an den Autorennen in Bern zu spüren. So wehten im Bremgartenwald Hakenkreuz-Fahnen. «Das liegt daran, dass Mercedes und Auto Union, die beiden damals führenden Rennställe, vom deutschen Staat gefördert wurden», erklärt Jakob Messerli, Direktor des Historischen Museums. Die Rennautos seien auch Propagandainstrumente gewesen; bei den Siegerehrungen erhoben deutsche Fahrer die Hand zum Hitlergruss.

An den Siegerehrungen erhoben die deutschen Fahrer die Hand zum Hitlergruss.
Autor: Jakob MesserliDirektor Historisches Museum Bern

Auch für die Berner Wirtschaft hatten die Rennen eine wichtige Bedeutung. Die Hotels seien von Bern bis Freiburg, Thun und Solothurn ausgebucht gewesen. Es wurde Wurst, Käse, Bier verkauft – oder an den Ehrungen feierlich übergeben. «Ein Foto zeigt drei Teilnehmende. Und was wird ihnen feierlich überreicht? Ein Viertel Emmentaler Käse», erzählt Jakob Messerli. Der Preis wurde von einem Bub übergeben. Es war der Sieger des Seifenkistenrennens – des Grand Prix für die Kleinen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Gusti Pollak (Gusti Pollak)
    "Die Hotels seien bis auf Freiburg, Thun oder Solothurn ausgebucht gewesen." "Bis auf" heisst "mit Ausnahme von". Gemeint ist das Gegenteil, wie im Schweizerdeutschen: "Die Hotels seien bis nach ... ausgebucht gewesen". Für solche Helvetismen gibt es im Schüleraufsatz Abzug. Ich finde es beschämend, auf srf online so etwas lesen zu müssen. Wer schreibt sowas, wer stellt es online, wer kontrolliert - und merkt nichts ? Frage an die User: Ist das mittlerweile Normalfall und stört niemanden mehr ?
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    1. Antwort von SRF News
      Guten Tag Herr Pollak, danke für den Hinweis, wir haben den Satz geändert. Freundliche Grüsse aus der Redaktion in Bern.
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