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Bewegung «Biel bleibt laut» Tausende protestieren gegen Westast der Autobahnumfahrung

Legende: Video Grossdemonstration in Biel abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 03.11.2018.
  • Zwischen 3500 und 5000 Personen haben am Samstag in Biel gegen den Westast der Autobahnumfahrung protestiert.
  • Die Westast-Gegner wehren sich gegen die Verkehrsführung und deren Auswirkungen auf die Stadt: Das Projekt sieht offene Autobahnanschlüsse im Stadtzentrum vor.
  • Sie unterstützen dafür ein Alternativprojekt, der einen zweispurigen Tunnel zwischen Bahnhof und See vorsieht.

Die Bürgerbewegung «Biel wird laut» fordert insbesondere den Verzicht auf die beiden offenen Autobahnanschlüsse im Stadtzentrum. Diese würden nur noch mehr Verkehr in die Stadt pumpen. Über 700 Bäume und rund hundert Gebäude würden von dem riesigen Bauprojekt tangiert. Wegen der Bauarbeiten wäre der Zugang zum See 15 Jahre lang eingeschränkt.

Demonstranten in Biel.
Legende: Die Gegner des Westast-Projekts fühlen sich von der Regierung nicht ernst genommen. Keystone

Projekt ohne Einbezug der Bevölkerung entstanden

«Biel bleibt laut» stört auch, dass das nun vorliegende Projekt von den Kantons- und Bundesbehörden ohne Einbezug der lokalen Bevölkerung entstanden sei.

Die Bevölkerung könne nicht über das Projekt abstimmen, weshalb den Gegnern dieses «Planungsirrsinns aus den 1950er Jahren» nichts anderes übrig bleibe, als erneut zu demonstrieren, macht das Bündnis geltend. Bereits vor einem Jahr gingen rund 3000 Westast-Gegner auf die Strasse.

Grösste Kundgebung seit 20 Jahren

Bei der Demonstration am Samstag waren es laut Polizei etwa 3500, nach Angaben der Organisatoren 4500 bis 5000 Menschen jeglichen Alters, die auf der Strasse protestierten. Damit handelte sich um die grösste Kundgebung in Biel seit über 20 Jahren.

Die Gegner des Westasts pochen auf ein alternatives Projekt, das vom Komitee «Westast, so nicht!» erarbeitet wurde. Das Alternativprojekt sieht einen zweispurigen Tunnel zwischen Bahnhof und See vor – ohne offene Autobahnanschlüsse mitten in der Stadt. Für den Lokalverkehr soll ein Boulevard entstehen. «Stadtraum statt Autobahn» hat sich das Komitee auf die Fahne geschrieben.

Alterdurchmischte Demonstranten in Biel.
Legende: Das Anliegen bewegt Jung und Alt. Keystone

Das offizielle Projekt sei altmodisch und dem Denken des 20. Jahrhunderts verpflichtet, wonach mehr Verkehr mit noch mehr Strassen begegnet werden müsse. Heute sei dieses Denken längst überwunden, ist das Komitee überzeugt.

Regierung hat Alternativen verworfen

Die Berner Kantonsregierung hat die beiden Projekte evaluiert und die Alternative der Westastgegner verworfen. Das Alternativprojekt würde nicht im gleichen Umfang eine verkehrsentlastende Wirkung entfalten, hielt der Regierungsrat fest.

Wir haben das Gefühl, dass uns die Behörden nicht hören wollen.
Autor: Sabine KronenbergMitgründerin der Bürgerbewegung «Biel wird laut»

Die Westast-Gegner wiederum fühlen sich von der Regierung nicht ernst genommen. «Wir haben das Gefühl, dass uns die Behörden nicht hören wollen», sagt Sabine Kronenberg, eine der drei Bielerinnen, die die Bürgerbewegung «Biel wird laut» mitbegründet haben.

Kosten von rund 2,2 Milliarden Franken

Mit der zweiten Kundgebung nach 2017 unter dem Motto «Biel bleibt laut» will das Bündnis nun den Druck auf die Behörden aufrecht erhalten.

Nachdem Biel jahrelang eine Autobahnumfahrung gefordert hat, wird diese nun gebaut. Der Ostast der Umfahrung ist bereits seit rund einem Jahr in Betrieb. Dieser hatte kaum Opposition hervorgerufen. Ganz anders der Westast, für den auch Häuser weichen müssten.

Demonstranten in Biel.
Legende: Das Projekt bewegt die Gemüter: Tausende gingen auf die Strasse. Keystone

Die Westast-Eröffnung ist frühestens 2035 vorgesehen, und die Kosten werden auf rund 2,2 Milliarden Franken geschätzt. «Ein Kilometer Autobahn Westast kostet 800 Millionen Franken», rechnen die Gegner vor. Damit wäre der Westast wohl die teuerste Autobahn, die je in der Schweiz gebaut wurde, lautet ihr Schluss.

Zudem bezweifelt das Komitee, dass es bei den veranschlagten Kosten bleibt. «Mehrkosten sind absehbar», schreibt es auf seiner Homepage.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    « Wir haben das Gefühl, dass uns die Behörden nicht hören wollen. » - Daran werden wir uns zunehmend gewöhnen müssen. - Wir sind ja da selber schuld, wir wählen solche Leute ja auch in die Regierung, die die Behörden hernach leiten. - Stimmt JA zur Selbstbestimmungs-Initiative, vielleicht ändert sich dann mal was, wenn's klar wird, wessen Wille mehr gelten soll.
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    1. Antwort von Thomas F. Koch (dopp.ex)
      Bei Projekten des Bundes oder der Kantone hat die Selbstbestimmungs-Initiative Null Einfluss. Oder wird beim Bau einer Autobahn, eines Tunnels, Stromleitung oder sonstigen Infrastrukturprojekten das Völkerrecht über die Bundesverfassung gestellt? Auch bei der Annahme der SBI können die Behörden bei inländischen Projekten weiterhin ohne Einbezug des Volks an eben diesem vorbei planen.
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    2. Antwort von Christian Gruber (Grobo)
      @ Hans Haller: Was bitte hat die Selbstbestimmungsinitiative mit dem Bieler Problem zu tun??? Ungefähr soviel, wie Fisch und Vogel gemeinsam haben... Einfach nur unglaublich, wie hier die Leute ver****** werden sollen, indem man ihnen weiss machen will, dass ein Ja zur Selbstbestimmungsinitiative sogar den Entscheid der Bieler Behörden beinflussen könnte...
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  • Kommentar von Heinz Hugentobler (hevrins)
    Ich verfolge seit Jahren - als ehemaliger Bieler - die Causa Westast. Im November 2017 wurde ein ausführlicher Vergleich der beiden Varianten publiziert und die Kostenvergleiche einander gegenüber gestellt. Für mich ist die Westast-Achse der Initianten die weit bessere und vor allem kostengünstigere, umweltfreundlichere Lösung. Ich vergleiche mit Neuchâtel, wo die Untertunnelung von Marin bis Serrières eine Top-Lösung darstellt, die innert wenigen Jahren projektiert und ausgeführt wurde.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Richtig, und zwar sogar mit Anschluss mitten in der Stadt (Maladière) ohne dass Neuenburg deswegen untergegangen wäre.
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    2. Antwort von Alex Terrieur (Imfeld)
      Die Topografie und Geologie ist zwischen der Bieler Seevorstadt und La Neuveville, mit St. Blaise und Yverdon überhaupt nicht zu vergleichen!!!!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    « Wir haben das Gefühl, dass uns die Behörden nicht hören wollen. » Derlei Gefühle haben auch andere heute. - Das Volk und die direkte Demokratie stört nur noch und wird nur noch hintergangen, ausgehebelt und zuletzt auch noch abgeschafft. Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht, stimmt JA zur Selbstbestimmungs-Initiative !!! - Ihr alle habt mehr gute Gründe hierfür als ihr heute wahr haben wollt.
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    1. Antwort von Zoltan Doka (Zoltan Doka)
      Schön das sie Chrut und Rüebli durcheinander mischen. So muss es auch in ihrer politischen Analysefähigkeit zu und her gehen.
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