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Wer weshalb unzufrieden ist mit der neuen Pflicht
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Bilanz nach einem halben Jahr Alle haben Mühe mit dem Mehrweggeschirr

Seit dem 1. Januar muss an Grossanlässen Mehrweggeschirr eingesetzt werden. Besonders Veranstalter sind unzufrieden.

Ob am Openair, dem Konzert oder dem Dorffest: In diesem Sommer wird Bier aus Mehrwegbechern getrunken und die Verpflegung ab abwaschbaren Tellern gegessen. Die Zeit des Einweg-Plastikgeschirrs ist seit dem 1. Januar 2019 abgelaufen. Für alle Grossveranstaltungen mit mehr als 500 Personen gilt im Kanton Bern seither die Mehrweggeschirr-Pflicht.

Weshalb die Veranstalter Mühe haben

Für die Veranstalter ist die Umstellung eine Herausforderung. Zwar war die Änderung der Gastgewerbeverordnung im Kanton Bern seit September 2018 bekannt, dennoch reichte die Zeit für viele Veranstalter nicht aus, sich auf den Wechsel vorzubereiten, sagt die zuständige Regierungsstatthalterin Ariane Nottaris.

Sie leitet die Arbeitsgruppe Gastgewerbe der Berner Regierungsstatthalterämter und hört deswegen direkt von den Grossveranstaltern, was diese zu bemängeln haben. «Kritik gibt es auch an der Umsetzung: Es brauche mehr Personal um das Geschirr mit Pfand zurückzunehmen und einzuordnen».

Auch die Lieferanten sind im Stress

Weiter macht neben dem grösseren Personalaufwand auch die Beschaffung grosser Mengen an Mehrweggeschirr Probleme. Das spüren auch diejenigen, die Mehrweggeschirr vermieten. «Bei uns explodiert die Anzahl der Anfragen aus dem Kanton Bern. Viele Veranstalter melden sich zudem sehr kurzfristig», sagt Ernst Brunner, Inhaber des Mehrweggeschirr-Anbieters cup&more im Kanton St. Gallen.

Die Anfragen aus dem Kanton Bern explodieren.
Autor: Ernst BrunnerInhaber Mehrweggeschirr-Anbieter cup&more

Sein Betrieb zählt zu den einzigen zwei Anbietern, die schweizweit mit mehreren Logistikzentren tätig sind. «Ich habe das Lager dieses Jahr bereits zweimal aufgestockt», so Brunner. Er könnte zusätzlich aber noch mehr Personal brauchen, um die Anfragen abzuarbeiten.

Wie viel Geschirr braucht es?

Dass die Zeit drängt, um die benötigten Mengen an Mehrweggeschirr überhaupt bestellen und einsetzen zu können, weiss man auch beim Ski-Weltcup Adelboden.

Der Ski-Weltcup Adelboden hat 50'000 Franken Mehrkosten.
Autor: Christian HaueterGeschäftsführer Ski-Weltcup Adelboden

Die Veranstaltung findet zwar erst im Januar 2020 statt, aber benötigt werden zwei Sattelschlepper mit 50'000 Weissweinbechern, 20 000 Trinkbechern und 15'000 Kaffeetassen. Dazu kommen Teller, Gabeln, Messer. «Unsere Kosten steigen durch das Mehrweggeschirr um rund 50'000 Franken an», sagt Geschäftsführer Christian Haueter. Die Mehrkosten werde man aber nicht an die Besucherinnen und Besucher weiterreichen.

Die Alternative: Kompostierbares Geschirr

Das Trucker&Countryfestival Interlaken, welches Ende Juni stattfand, setzt auf eine Alternative. Dort verwendete man kompostierbares Geschirr, welches die neue Gastgewerbeverordnung als mögliche Ausweichstrategie erlaubt. «Es bleiben aber Fragezeichen, was die ökologische Bilanz anbelangt», sagt Mediensprecherin Katja Rütti. Denn das Geschirr könne nur in Spezial-Anlagen verwertet werden – die nächstgelegene befindet sich in Baden AG.

Was nun mit der Kritik passiert

Die Berner Regierungsstatthalterämter wissen um die Mängelliste und wollen reagieren. Man sitze im August zusammen und wolle Anpassungen prüfen, sagt die zuständige Regierungsstatthalterin Ariane Nottaris.

Wir prüfen Anpassungen an der Mehrweggeschirr-Pflicht.
Autor: Ariane Nottariszuständige Regierungsstatthalterin

Und auch danach ist die Diskussion um die Mehrweggeschirr-Pflicht an Grossveranstaltungen nicht beendet – im Grossen Rat des Kantons Bern ist eine Motion dazu hängig.

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