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Constantin vs. Le Nouvelliste Darf der Sion-Präsident Journalisten abweisen?

«Ja, leider», sagt Medienrechtler Bertil Cottier. Juristisch sei der Fall klar. «Aber ethisch ist es unhaltbar.»

Fotografinnen und Journalisten der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» sind im Fussballstadion von Sitten nicht mehr willkommen – eine ganze Saison lang. Sie bekommen keine Interviews mit Spielern und andern Vertretern des Clubs und sie dürfen nicht auf den Medienplätzen arbeiten. Der Grund: Der Hausherr des Stadions, Christian Constantin, ist wütend auf den Chefredaktor der Zeitung. «Seine polemische Seite passt mir nicht», zitiert ihn der Nouvelliste.

Darf er das?

Ja, lautet die Antwort aus rechtlicher Sicht. Das Gesetz unterscheide strikte zwischen Privatpersonen und Behörden, sagt Jurist und Medienrechtler Bertil Cottier: «Behörden dürfen Journalisten nicht ausschliessen. Privatpersonen hingegen dürfen es tun.»

Das Ausschliessen von Journalisten ist ethisch unhaltbar.
Autor: Bertil CottierMedienrechtler

Diese strikte Trennung stört Cottier, der an den Universitäten Lugano und Lausanne lehrt. «Privatleute, die für die Gesellschaft wichtige Veranstaltungen organisieren, sind fast wie Behörden. Sie sollten Medien nicht diskriminieren dürfen.» Da sollte das Bundesgericht seiner Meinung nach über die Bücher.

Ihm sei unwohl bei dieser Geschichte, sagt Cottier. «Die rechtliche Seite ist klar. Aber es gibt auch die ethische Seite. Die Ausschliessung von Interviews und Akkreditierungen ist ethisch unhaltbar.»

Was tun?

Ein Journalist könnte den Beschluss von Christian Constantin vor Gericht anfechten. Bertil Cottier vermutet allerdings, dass das Bundesgericht entscheiden würde, es genüge, dass der Journalist als Privatperson ein Ticket für das Stadion kaufen könne. Die Schweizer Fussball-Liga könnte in ihrem Ethikkodex die Medienfreiheit betonen. Ob in diese Richtung etwas gehen könnte, konnte der Mediensprecher der Swiss Football League am Montag gegenüber Radio SRF nicht sagen.

Christian Constantin selbst war am Montagnachmittag für ein Interview nicht erreichbar. Und was tut «Le Nouvelliste»? Man wolle weiterhin über den FC Sion berichten, schreibt die Zeitung – so gut, wie es ihnen möglich sei.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Jackob (Chopfchratzer)
    Wo soll das denn hinführen, wenn ein Gericht dies erzwingen würde? Keine Privatperson hätte danach noch das Retch, einen Journalisten abzuweisen! Ich finde das weder ehtisch noch rechtlich bedenklich. JEDER kann mit seinem Hausrecht machen was er will! Im Endeffekt schadet er sich damit ja selber, denn es gibt weniger Fotos aus dem Stadion, also haben die Sponsoren, weniger beachtung. Von der negativen Presse über den Vorfall will ich gar nicht erst anfangen. Aber Recht bleibt Recht!
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    1. Antwort von pius winiger (süsse maus)
      ...anscheinend entspricht dieses unethische Verhalten nicht den vorgestellten Soll-Normen des Rechts. Deshalb ist die Entrüstung (berechtigterweise) in der Gesellschaft gross. Ein professioneller (Sport)Verein hat eine bestimmte Verantwortung zu tragen, da er von der gleichen Gesellschaft profitiert. Rechte und Pflichten sind nicht voneinander zu trennen. Deshalb gehört die Sicherheit der Fans genauso zu den Pflichten, wie die Freiheit auf eine Meinung der Fans (und Medien): KEINE SELBSTJUSTIZ
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Privatpersonen, ob natuerliche oder juristische, sollten nie ein gesellschaftlich relevantes Machtlevel erreichen koennen. Es geht auch nicht an, ihnen dafuer staatliche Pflichten aufzuerlegen, oder gar staatliche Privilegien zuzugestehen....
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    1. Antwort von pius winiger (süsse maus)
      ...dies sehe ich nicht so und ist auch ein etwas wirklichkeitsfremder Kommentar. Ab einer gewissen Bedeutung in der Gesellschaft und der daraus entstehenden Profite, sollten staatliche Pflichten (dazu gehört auch, dass die Grundrechte, wie z.B. das Recht auf eine Meinung und sie ausdrücken zu dürfen, gewährleistet sind) auferlegt werden können.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Constantins Verhalten gegenüber den genannten Journalisten ist juristisch zwar - scheins - noch gerade haltbar, aber ethisch total daneben. Weiter: Der sportliche Erfolg beim FC Sion ist in den letzten zwei Jahren ausgeblieben, woran m. E. Constantin durch seine extreme Egozentrik wohl einen ansehnlichen Anteil hat. Wohl dank seines Finanzimperiums kann er sich halten, ansonsten wäre er wohl verschiedener seiner Aemter längst enthoben worden. Das nenne ich „modernen Feudalismus“
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