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Linda Nartey: «Erst trafen die Massnahmen alle, jetzt nur noch wenige»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 14.05.2020.
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Contact Tracing im Kanton Bern Ist das nicht übertrieben, Frau Nartey?

Die Kantone sind dazu übergegangen, mit Contact Tracing die Ansteckung zu unterbrechen. Grundrechte kommen unter Druck.

Beim Contact Tracing geht es darum, Infektionsketten zu unterbrechen. Dies ist möglich, indem infizierte Personen frühzeitig erkannt und gezielt isoliert werden können, ebenso ihre engen Kontakte. Das Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus und die Anzahl von Neuinfektionen unter Kontrolle zu halten und möglichst einzuschränken.

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Sind die Kantone auf eine zweite Welle vorbereitet?
Aus 10 vor 10 vom 14.05.2020.
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Die Arbeit ist aufwendig: Personen mit einem positiven Covid-19-Test werden kontaktiert. Es wird abgeklärt, mit wem die positiv getestete Person in den letzten 48 Stunden engen Kontakt hatte. Diese 48 Stunden beginnen entweder zum Zeitpunkt, wo die ersten Symptome aufgetreten sind oder mit dem Testen. Auch diese Personen müssen einzeln durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons kontaktiert werden.

Sie könnten von den Massnahmen betroffen sein

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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat festgelegt, welche Personen als enge Kontakte gelten und damit ein höheres Infektionsrisiko haben. Sie können von der Selbstisolation, der Quarantäne betroffen sein:

  • Personen, die im gleichen Haushalt wohnen, mit über 15-minütigen Kontakten von unter 2 Metern.
  • Personen, die ungeschützt über 15 Minuten näher als 2 Meter waren.
  • Berufsleute mit Körperkontakt ohne Schutzausrüstung.
  • Passagiere im Flugzeug, die in derselben Reihe oder in den zwei Reihen vor oder hinter der infizierten Personen sassen.

Um die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus einzudämmen, werden die engen Kontaktpersonen einer erkrankten Person ausfindig gemacht. Diese müssen sich dann in eine zehntägige Quarantäne begeben.

Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde oder eben mit dieser Person engen und ungeschützten Kontakt hatte, muss sich in Quarantäne begeben. Das bedeutet: Die betroffenen Personen müssen 10 Tage zu Hause bleiben, dürfen die Wohnung nicht verlassen und auch keine physischen Kontakte haben.

Eingriff in die Grundrechte

Dies ist ein massiver Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Personen. Dieser Eingriff ist durch das Epidemiegesetz rechtlich abgestützt, vorausgesetzt, dass weniger einschneidende Massnahmen nicht ausreichen. Und gemäss Bundesverfassung müssen Eingriffe in die Grundrechte stets verhältnismässig sein.

«In den letzten Wochen haben wir quasi die ganze Bevölkerung in eine Art Quarantäne versetzt, so gut es möglich war. Jetzt betrifft es nur noch einzelne», sagt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey auf die Frage, warum das Contact Tracing verhältnismässig sei. «Für die, die es trifft, ist es hart. Alle anderen erhalten dafür mehr Bewegungsfreiheit.»

Das Kantonsarztamt verfügt die Massnahmen, sie sind für die Betroffenen verbindlich. Wie Nartey erklärt, hätten diese bisher verständnisvoll darauf reagiert. «Wir drohen auch nicht mit Bussen; wir erklären den Leuten, dass es sich um eine verbindliche, behördlich angeordnete Quarantäne handelt», so die Kantonsärztin.

Es geht auch darum, andere zu schützen.
Autor: Linda NarteyBerner Kantonsärztin

Das Verfahren und die Isolation sind für viele eine psychische Herausforderung. So müssen zum Beispiel die Kontakte von Bekannten den Behörden weitergegeben werden. Die Privatsphäre, Beziehungen zu Freunden und Bekannte, Werthaltungen kommen unter Druck. «Es geht hier nicht nur um die infizierten Personen, sondern auch um den Schutz der anderen», erklärt die Berner Kantonsärztin.

Kein Ausspionieren

Personen, die engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten und in Quarantäne sind, werden kontrolliert. Regelmässig werden sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Contact Tracings telefonisch kontaktiert. Kantonsärztin Linda Nartey: «Ausspioniert wird aber sicherlich niemand.»

Die Tracer erkundigen sich nach ihrem Gesundheitszustand und ihrem Wohlbefinden. Treten Symptome auf, wird ihnen empfohlen, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Gemäss dem Bund müssen sich Kantone und Bevölkerung auf eine längere Phase des Contact Tracings einstellen.

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Aus dem Archiv: Contact-Tracing in allen Kantonen
Aus Tagesschau vom 09.05.2020.
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Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 17:30 Uhr;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    Ich würde bei Symptomen auf alle Fälle einmal zu Hause bleiben und den Verlauf abwarten, testen erst bei Verschlimmerung. Bei leichtem Verlauf würde ich mich nicht der offiziellen Verfolgungsmaschinerie aussetzen. Sorry Frau Nartey.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Viele Schweizer BürgerInnen, reklamieren, klönen auf "sehr hohem Niveau", ob der notwendigen Massnahmen betreffend das immer noch aktive, unkontrollierte COVID-19-Virus! Im Vergleich dazu, die vielen Millionen von Menschen weltweit, welche "0" NULL Hilfe, Unterstützung, Nahrung, Wasser, medizinische Behandlung erhalten, haben....
  • Kommentar von Edwin Schaltegger  (Edwin Schaltegger)
    Diese Grundrechts- und Datenschutzdiskussionen sind absolut kontraproduktiv im heutigen Corona Pandemieumfeld. Es ist eine klare Tatsache, dass Länder die über ein gutes und frühes Contact Tracing verfügen(ten) und früh testeten eine sehr kleine Infektionsquote besitzen. Alle Nationen mit hohen Infektionszahlen, ausser Island, haben dies verschlafen. Wären die Chinareisen bereits nach den ersten Wuhan Infektion unterbunden worden, hätten wir heute kein solches "Schlamassel"!!