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Interview mit Holzexperte Andreas Müller: «Die Privatwirtschaft will besondere Bauten erschaffen»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 09.06.2020.
abspielen. Laufzeit 08:01 Minuten.
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Debatte um Baumaterial Weshalb sind alle scharf auf Holz?

Private bauen oft mit Holz und auch die öffentliche Hand soll dazu verpflichtet werden, obwohl es nicht nur einfach ist.

Die Vorteile liegen eigentlich auf der Hand. Holz ist einheimisch, Holz ist ökologisch, schön und elegant. Holz liegt im Trend – nicht erst seit heute. Berühmte Architekturbüros setzen in Auftragsarbeiten immer wieder auf das nachwachsende Baumaterial.

Waldgebiet.
Legende: Ein Baustoff, der nachwächst: Nur einer der Vorzüge von Holz. Keystone

Auf der anderen Seite hinterlässt das Bauen mit Holz je nach dem Spuren im Portemonnaie. Verwendet man (einheimisches) Holz, greift man tiefer in die Tasche – wie ein aktueller Bericht über ein Berner Projekt zeigt. Der Bau des Campus Biel verteuert sich unter anderem, weil mit Holz gebaut werden soll.

Dennoch gibt es immer wieder Vorschläge, die Behörden dazu zu verpflichten, mit Holz zu bauen.

Die Holzlobby im Parlament

Es gibt einige Vertreterinnen und Vertreter im Parlament – im nationalen wie auch in den kantonalen – die sich für Holz starkmachen. In Luzern wurde 2017 mit zwei Motionen gefordert, das neue geplante kantonale Verwaltungsgebäude vorwiegend mit Holz zu bauen. Vor kurzem gab es neue Vorstösse, die die Behörden bei anderen Projekten ebenfalls dazu verpflichten wollten, mit Holz zu bauen.

Ob Politikerinnen und Politiker rechts oder links orientiert sind, oder ob sie sich in der Mitte befinden, spielt dabei keine Rolle. Während aus linken Kreisen vor allem die Nachhaltigkeit betont wird, ist bei rechten Kreisen die Herkunft des Holzes ein Argument dafür.

Allerdings erlitt kürzlich ein grosses Projekt im Kanton Bern einen herben Rückschlag, gerade auch, weil dafür Holz hätte verwendet werden müssen. Der Neubau des Campus Biel verzögert sich um drei Jahre. Eines der Probleme: Es gab vom Berner Kantonsparlament für die Architekten die Vorgabe, auf Holz aus dem Berner Staatswald zu setzen. Das trieb laut einem Bericht die Kosten in die Höhe.

Die ewige Geschichte des Campus Biel

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Die ewige Geschichte des Campus Biel
Legende: zvg/Kanton Bern, BVD

Auf dem Feldschlössli-Areal südöstlich des Bieler Bahnhofs will der Kanton Bern die beiden Departemente Technik und Informatik sowie Architektur, Holz und Bau konzentrieren. Der bernische Grosse Rat bewilligte im Juni 2017 den Baukredit von 233.5 Millionen Franken.

Im März 2018 kam es zum ersten Spatenstich. Gebaut wurde allerdings noch nicht wirklich; nur der Aushub begann.

Im Jahr darauf wurde klar, dass auf dem Feldschlössli-Areal nicht alles glücklich läuft: Der Besitzer einer für den Bau des Campus benötigten Parzelle wehrte sich gegen die Enteignung. Das Bundesgericht entschied, das Verwaltungsgericht habe der Privatperson das rechtliche Gehör verwehrt. Damit blieb das Enteignungsverfahren in der Schwebe – bis heute.

Blockiert blieb das Bauvorhaben aber auch, weil noch immer die Baubewilligung aussteht. Dies, weil die Überbauungsordnung noch nicht rechtskräftig ist. Im September 2019 brach schliesslich das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude die Ausschreibung für den Totalunternehmer-Auftrag ab.

Das günstigste Angebot der Totalunternehmer für den Bau des Campus überschritt den Grossratskredit um rund 19 Prozent. Nun hat die Regierung entschieden, das Projekt erneut zu überarbeiten.

Der Campus Biel wurde – auch wegen der Bauart mit Holz – viel teurer als erwartet. Mit der Auflage, Holz aus bernischen Wäldern zu beschaffen, mussten die Architekturbüros engen Rahmenbedingungen folgen.

Trotz der Probleme soll der Kanton Bern weiterhin wo immer möglich mit Holz bauen. Dafür hat sich der bernische Grosse Rat am Montag ausgesprochen. Gemäss diesem Vorstoss soll beim Tragwerk des Hochschulcampus Bern konsequent der klimafreundliche Baustoff Holz eingesetzt werden.

Was sagt der Experte?

Andreas Müller lehrt an der Fachhochschule Bern, er ist Professor und leitet das Institut für Holzbau, Tragewerke und Architektur. Er meint: «Ich halte es für legitim, wenn der Kanton zum Bauen mit Holz verpflichtet wird.» Auch wenn es sich dabei um Holz aus einem bestimmten Gebiet handeln muss. Man könne das rechtzeitig signalisieren und die Forstwirtschaft könne entsprechende Mengen bereitstellen.

Auch Holz aus dem Ausland hat eine gute Ökobilanz.
Autor: Andreas MüllerLeiter Institut Holzbau, Tragewerke und Architektur, BFH

Allgemein verwende die öffentliche Hand oft Holz, gerade beim Bau von Kindergärten, so Müller. Holzbau sei im Trend. Gerade die Privatwirtschaft habe immer wieder besondere Bauten entworfen und realisiert.

Aber nicht in jedem Fall würde Andreas Müller Holz verwenden. Nicht empfehlen würde er Bauten mit Holz, die ständig Regen ausgesetzt sind. Aber auch da gebe es Mittel und Wege, wie man trotz den erschwerten Klimabedingungen mit Holz bauen könne.

Bern Freiburg Wallis, 06:31/17:30 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kislig  (fkislig)
    Die Verwendung von Ch-Holz ist nicht nur gut fürs Klima (Bindung von CO2, wenig graue Energie), sondern sichert auch Arbeitsplätze in der Region und somit auch Lehrstellen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Nicht das Holz oder von woher es kommt ist das Problem, sondern oft wollen Bauherren solcher Repräsentativbauten auch noch technologisch an die Grenze gehen. Viel Schnick-Schnack und experimentelle Technologie. Dann geraten auch konventionelle Bauten ganau so an die Machbarkeitsgrenzen und verschlingen plötzlich Unsummen.
  • Kommentar von Dominik Refardt  (Dominik74)
    Das ist tatsächlich ein nicht zu unterschätzendes Problem. Der CO2-Ausstoss der Zementherstellung entspricht annähernd dem Gewicht des Zementes! Holz wäre da eine kluge Alternative.