Der ungebremste Run auf Künstlerateliers in der Stadt Bern

Der Progr in Bern: Was vor zehn Jahren als Zwischennutzung begann, ist heute ein fixes Kulturhaus, in dem mehr als 200 Kulturschaffende Platz zum Arbeiten finden. Und es möchten noch weitaus mehr ins Haus.

«170 E-Mail-Adressen sind auf einer Warteliste», sagt Progr-Geschäftsführerin Franziska Burkhardt. Die Ateliers im Kulturhaus am Waisenhausplatz sind seit eh und je begehrt. «Ein Künstler braucht Platz, um einfach mal zu arbeiten. Der Progr konnte hier eine Lücke schliessen», so Burkhardt.

Mehr als 200 Künstler arbeiten heute in 170 Ateliers. Schlagzeuger Benedikt Sartorius ebenso wie die Mundartgruppe Kummerbuben, der Performance-Künstler Martin Schick oder der Filmer Mano Khalil. Eine Jury entscheidet, wer ein freiwerdendes Atelier erhält.

«Dachte nicht, hier als Künstler tätig sein zu können»

Von Anfang an dabei ist der Videokünstler Peter Aerschmann, heute auch Stiftungsrat des Progr. Er dachte 2004 - nach seinem Studium - nicht, dass er in Bern als Künstler arbeiten könnte. «Doch dann kam diese Zwischennutzung des Progr, welcher heute eine super Basis für Künstler ist.»

Dies bestätigen all jene, welche im Haus tätig sind. Zum Beispiel der Grafiker Basil Anliker, auch bekannt als Rapper Baze: «Es läuft immer etwas, auch am Abend ist irgendwo noch offen.» Maler und Performance-Künstler Jürd Lüdi schätzt vor allem die Lage im Zentrum: «An der Peripherie ist man schnell isoliert, da ist das Arbeiten schwieriger.»

«  Kultur an einem Hotspot tut allen gut »

Auch die Stadt Bern habe vom Progr profitiert, findet der ehemalige Präsident der eidgenössischen Kunstkommission, Hans Rudolf Reust. «Die Kulturstadt Bern ist heute selbstbewusster», findet der Szenekenner. Und dass in einer Stadt, welche stark von Administration, Verwaltung und Politik geprägt ist, Kultur an einem Hotspot präsent ist, «das tut bestimmt allen gut».

30 Räume zu vergeben

Und vielleicht wird der Atelier-Mangel Anfang nächstes Jahr etwas gemildert: Bis klar ist, was mit der alten Feuerwehrkaserne im Nordquartier geschieht, ist eine Zwischennutzung für rund 30 Räume vorgesehen - so wie anfänglich beim Progr.

«Wir haben bereits rund 100 Ideen erhalten», sagt Manfred Leibundgut, Co-Präsident des Quartiervereins, «darunter auch viele Anfragen für ein Künstleratelier.» Noch diesen Herbst soll entschieden werden, wer - nebst rund 100 Asylsuchenden - temporär in die Feuerwehrkaserne einziehen darf.