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Bern Freiburg Wallis Die Armut im Kanton Bern ist nicht aufzuhalten

2008 steckte sich der bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud ein hohes Ziel: Die Halbierung der Armut im Kanton Bern innert 10 Jahren. Eine Halbzeit-Bilanz am Armutsgipfel im Berner Rathaus zeigt nun: Das Gegenteil ist der Fall.

Die Statistiken sind ernüchternd: Die Zahl der armen oder armutsgefährdeten Haushalte im Kanton Bern nimmt stetig zu. Inzwischen sind ungefähr 12 Prozent der Haushalte betroffen oder rund 100'000 Menschen.

Der zweite Armutsbericht zeigt zudem, dass alleinerziehende Mütter das grösste Risiko tragen, in die Armutsfalle zu geraten. Aber auch grosse Familien und zunehmend Menschen an der Grenze zum Pensionsalter haben Probleme, ihren Lebensunterhalt ohne Hilfe vom Staat zu bewältigen. Die Schere öffnet sich immer weiter.

Die Berner Regierung will mit verschiedenen Massnahmen Gegensteuer geben. Aber die Signale aus der Politik sind widersprüchlich. Am Tag, als das Kantonsparlament den Armutsbericht zur Kenntnis nahm, kürzte es die Sozialleistungen um zehn Prozent. Und das grosse Sparpaket, das das Kantonsparlament im November berät, reisst voraussichtlich gerade im Sozial- und Fürsorgebereich weitere Millionen-Löcher auf.

Keine Patentrezepte am Armutsgipfel

Der 3. Armutsgipfel im Rathaus Bern, der diese Bilanz zur Kenntnis nahm, sieht das Problem, das sich schweizweit zeigt. Aber Lösungen sind schwierig.

Es fehlen Jobs für weniger qualifizierte Arbeitnehmer. Und es fehlt zurzeit in der Politik an der Bereitschaft und an den Möglichkeiten, mehr Geld ins Sozialwesen zu pumpen. Die Ratlosigkeit, wie mit dem Phänomen Armut und Armutsgefahr umzugehen ist, zeigt sich auch deutlich an einem Podium mit bernischen Grossrätinnen und Grossräten.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Strahm, Bern
    Wir sollten uns grundsätzlich mal alle überlegen mit was die Schweiz in Zukunft Geld verdienen will. Armut hin oder her. Die Schweiz sollte in Europa ernsthafter mitmachen und nicht immer die Faust im Sack machen. Der Alleingang ist doch einfach Quatsch.
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  • Kommentar von Daniel Steiner-Brütsch, Grossrat EVP, 4900 Langenthal
    Mit Ergänzungsleistungen für Familien (FamEL) würde ein wirksames Instrument gegen Familienarmut zur Verfügung stehen, welches bald ins Parlament kommt. Mit dem Darüber-Sprechen lässt sich die Armut nicht vermindern. Taten und konkrete Massnahmen sind gefragt.
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    1. Antwort von Willi Zimmermann, Berner Oberland
      Die Kommission, die die Gesetzesvorlage(n) ausgearbeitet hat, kommt aber zum Schluss, dass Familienergänzungsleistungen derzeit nicht finanzierbar sind. Die Bekämpfung der Schuldenwirtschaft in unserem Kanton zu Lasten der Schwächeren lässt auch für Nichtpolitiker diesbezüglich nichts Gutes erahnen, obschon die FamEL grundsätzlich als wirksame Massnahme für die Armutsbekämpfung betrachtet wird.
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  • Kommentar von Susanna Aegerter, Leissigen
    15 Jahre in Kaderposition tätig, werde krank, meine Stelle wird während Sperrfrist (Krankheit/Unfall) mit neuer Funktionsbezeichnung anderweitig vergeben. Zur Krankheit folgen 2 OPs. Zurück am Arbeitsplatz, Änderungskündigung mit neuem Vertrag als SABE 50%, Schritt zum RAV, nach kaum 3 Mte mit ehemaliger AZUBI als Vorgesetzte, folgt Freistellung. Weitere 6 OPs, 8 Mte arbeitsunfähig = Aussteuerung (312 TG noch nicht ausgeschöpft).. wie weiter mit 58 Jahren und ohne Einkommen?
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