Die Stadt Bern sucht einen besseren Draht zu den Migranten

Viele Migranten wissen wenig über die Behörden. Darum hofft die Stadt Bern auf «Schlüsselpersonen aus der Migration»: An einem Infoabend haben sich um die 60 Migrantinnen und Migranten über die Stadt informieren lassen. Sie sollen diese Informationen ihren Landsleuten weitergeben.

Migrantinnen an einem der Info-Tische. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitarbeitende der Berner Stadtverwaltung haben die interessierten Migrantinnen informiert. Elisa Häni/SRF

Was muss man wissen rund um die Einbürgerung? Was sind die Regeln zum Familiennachzug? Wie funktioniert das System mit den Ergänzungsleistungen? Viele Fragen, in denen nicht alle Migrantinnen und Migranten den Durchblick haben.

«Manche wissen gar nicht, was es für Angebote gibt», sagt Susanne Rebsamen vom Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern. «Andere denken über die Behörden, sie seien vor allem ein Kontrollorgan. Oder sie meinen, sie müssten perfekt deutsch sprechen, um bei den Behörden etwas zu beantragen.»

Wegen diesen Hürden sucht die Stadt Bern den Kontakt zu «Schlüsselpersonen der Migrationsbevölkerung». Das können zum Beispiel Übersetzerinnen sein oder ehrenamtlich in Vereinen oder Kirchen tätige Personen, die selber in die Schweiz eingewandert sind. Sie sollen zwischen der Stadt und ihren Landsleuten vermitteln.

Zum 5. Mal haben sich am Montagabend etwa 60 solche «Schlüsselpersonen der Migrationsbevölkerung» in Bern getroffen. An verschiedenen Tischen konnten sie sich über die Angebote der Stadtverwaltung informieren lassen. «Das Ziel dieses Abends ist es, dass diese Schlüsselpersonen die Informationen anschliessend ihren Landsleuten weitergeben», sagt Susanne Rebsamen vom städtischen Kompetenzzentrum Integration.

Eine solche Schlüsselperson ist Deborah Biermann. Sie wanderte als Übersetzerin zuerst von Brasilien nach Deutschland aus, heiratete dort und kam vor bald 22 Jahren mit ihrem Mann in die Schweiz.

Hier arbeitet sie als Übersetzerin und Beraterin für portugiesisch sprechende Migrantinnen und Migranten. Sie hat eine eigene Internetseite mit portugiesischen Informationen über die Schweiz zusammengestellt.

Motiviert dazu habe sie ihre eigene Geschichte: «Als ich in die Schweiz kam, hatte ich grosse Schwierigkeiten, mich umzustellen von der deutschen auf die Schweizer Mentalität», erzählt Deborah Biermann. Sie habe sehr viele Informationen suchen müssen. Es sei zum Beispiel schwierig für Migranten, die Sozialversicherungen zu verstehen, aber auch das Krankenkassensystem mit seinen verschiedenen Angeboten oder das Schulwesen sei recht komplex.

Leben in einer Parallelgesellschaft

Manche ihrer Landsleute muss Deborah Biermann allerdings zuerst motivieren, dass sie sich besser informieren. «Es gibt viele Migranten, die in einer Parallelgesellschaft leben. Leider.» Schade sei das darum, weil die Schweiz so viel biete. «Ich sehe, wie viel die Schweiz beigetragen hat zu meiner persönlichen Entwicklung.» Darum versuche sie, ihre Landsleute aufzurütteln. «Ich ‹missioniere› und sage den Leuten, sie sollen lesen und sich informieren.»