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Die Suche nach einem Phantom? Das Wallis bläst zur Jagd auf Hybrid-Wölfe

Kreuzungen von Hund und Wolf sind nicht geschützt – jetzt handelt der Walliser Grossrat. Das Problem: In der Schweiz gebe es gar keine Hybrid-Wölfe, sagt ein Experte.

Legende: Audio Walliser Grossrat entscheidet über Postulate zu Wolfs-Hybriden abspielen. Laufzeit 3:58 Minuten.
3:58 min, aus SRF 4 News aktuell vom 16.05.2018.

«Es gibt keinen Platz für den Wolf im Wallis», machte der CVP-Grossrat Philipp Matthias Bregy am Dienstag in Sitten klar. Und legte nach: «Es muss alles getan werden, um ihn zu beseitigen.» Dem steht allerdings die Berner Konvention im Weg, die den Wolf schützt.

Auf sogenannte «Hybrid-Wölfe», also nicht reinrassige Tiere, trifft das allerdings nicht zu. Nun hat das Walliser Kantonsparlament entschieden, dass die Kreuzungen von Wolf und Hund geschossen werden sollen. Gewissheit sollen DNA-Proben liefern. Die Behörden sollen sie über Spuren der Tiere gewinnen.

Verhängnisvolle Affären

Die Linke wehrte sich im Walliser Grossrat gegen die Vorstösse. Wölfe und Hunde gehörten derselben Spezies an, sagte Jérome Fournier (Grüne). Für ihn zielen die Postulate nur darauf ab, zu zeigen, dass alle Wölfe Kreuzungen seien und deshalb erlegt werden müssten.

Tschechoslowakischen Wolfshund
Legende: Das Bild zeigt einen «Tschechoslowakischen Wolfshund», eine anerkannte Hunderasse. Es handelt sich um eine Kreuzung aus deutschem Schäferhund und dem eurasischen Wolf. Er sieht aus wie ein Wolf, soll sich aber wie ein Hund verhalten. Wikicommons

Die Argumente überzeugten kaum über die Linke hinaus. «Die Frage ist, ob das Tier, das Schafe frisst, durch die Berner Konvention geschützt ist», sagte Fabien Schafeitel (CVP).

Umstrittene Analysen

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Die Postulate beziehen sich auf eine Reihe von Gentests, die auf Wunsch von Schafzüchtern in Frankreich durchgeführt wurden. Analysen eines deutschen Labors ergaben, dass es sich bei allen nutzbaren Proben um Wölfe handelt, die mit Hunden gekreuzt wurden.

Die Gegner der Postulate erwähnten dagegen andere Analysen. Diese zeigten, dass die Hybridisierung nur fünf Prozent der Wolfspopulation betreffe und dass nur 1,6 Prozent der Wölfe das Ergebnis der Kreuzung der ersten Generation seien. Und selbst wenn es mehr wären, wie sollte man diese in der freien Natur erkennen, fragte Jérome Fournier (Grüne).

Eine reine Scheindiskussion?

Ralph Manz ist bei der Wildtier-Beobachtungsstelle Kora zuständig für das Wolfsmonitoring und nimmt regelmässig DNA-Proben von Wölfen. Er sagt: In der Schweiz gebe es gar keine Hybrid-Wölfe. Denn: «In Italien etwa gibt es hunderttausende wildlebende Hunde. Das Phänomen kennen wir in der Schweiz aber gar nicht.»

Die Diskussion, die gewisse Kreise seit Jahren lancieren, ist nicht nachvollziehbar.
Autor: Ralph ManzWildtier-Beobachtungsstelle Kora

Zudem erlaube schon die heutige Rechtsgrundlage, Hybride aus der ersten und zweiten Generation «wegzunehmen». Deswegen sagt Manz: «Die Diskussion, die gewisse Kreise seit Jahren lancieren, ist nicht nachvollziehbar.» Die Diskussion werde «künstlich hochgepumpt».

Wolfsverbreitung in der Schweiz
Legende: Wolfsnachweise in der Schweiz Januar-Dezember 2017 Kategorie 1: Tot gefundene Tiere, Beobachtungen mit fotografischem Beleg, eingefangene (Jung-) Tiere und genetische Nachweise. Kategorie 2: Experten bestätigte Meldungen wie Risse von Nutz- und Wildtieren, Spuren. Kategorie 3: Nicht überprüfte Riss-, Spuren und Kotfunde, und alle nicht überprüfbaren Hinweise wie Sichtbeobachtungen. Kora , Link öffnet in einem neuen Fenster

Aber sind die Befürchtungen der Linken im Walliser Grossrat berechtigt? Suchen Wolfsgegner nach einer Möglichkeit, geschützte Tiere zu schiessen? Man werde abwarten müssen, wie die Walliser den Beschluss umsetzen werden, sagt Manz.

Fakt sei aber, dass man Hybride in der Landschaft erkennen müsse: «Wenn der Wildhüter den Finger krumm machen will, muss er aufgrund von morphologischen Merkmalen sehen können, ob es ein Hybride ist.»

Die Erhaltung der «reinen Art»

Hybride mit blossem Auge zu erkennen, sei nur in den ersten beiden Generationen möglich, sagt Manz. Der Abschuss dieser Tiere sei bei entsprechenden Fachkenntnissen schon heute erlaubt – auch ohne DNA-Test. Aber: «Wenn es in nachfolgenden Generationen Rückkreuzungen gibt, sieht man das äusserlich gar nicht mehr.»

Bleibt die Frage, warum Wölfe mit genetischen Spuren von Hunden überhaupt geschossen werden sollen? Es gehe um Artenschutz, erklärt der Wildtier-Experte. Nämlich darum, «reine Wölfe zu erhalten». Das werde nicht nur beim Wolf, sondern auch für andere Wildtierpopulationen versucht.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von R. Raphael (R.Raphael)
    Das Problem mit dem Wolf ist, dass die Mehrheit nur solange dafür ist, bis ein Kind oder Wanderer gerissen werden. Spätestens dann geht das Geschrei los.....
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  • Kommentar von Martin Tanner (mikado5034)
    Das Wallis, das fabulöse Land der Mythen und Sagen...! Damit driftet die Story endgültig ins Reich der Märchen ab. Verblendet sind aber nicht die Märchenerzähler, sondern jene, die daran glauben. (*kopfschüttel*)
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  • Kommentar von Patrick Frei (Freidenker)
    Auffällig ist - so erlebte ich es in einer Diskussion mit einem Gommer Jäger -, dass dem Thema mit enorm viel Aggression begegnet wird. Man hat das Gefühl, der Walliser wird seiner Existenz beraubt, wenn in seinem Kanton Wölfe leben. Ich habe Verständnis für andersdenkende Menschen, doch wenn es in die Richtung eines bornierten Zynismus geht, fehlen mir die Worte. So wechselte ich das Thema, und wir sprachen über den Wein, Wetter sowie das schöne Goms, das am nächsten Tag verregnet wurde.
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