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Nach sieben Jahren im Altersheim kann Frau K. nun alleine wohnen.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 12.11.2019.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
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Drogenabhängig in Bern Kein selbstständiges Leben ohne fremde Hilfe

Frau K. war jahrelang abhängig von Heroin. Dank der Stiftung Contact kann sie trotzdem alleine wohnen.

Eine Einzimmerwohnung in einem Block am Stadtrand von Bern. Bei Frau K. zuhause ist das Radio eingeschaltet. Gegen die Stille. Der aktuelle Song 'Narcotic' von Younotus läuft. «Da könnte ich gleich ein bisschen tanzen», sagt die 52-jährige Frau K. mit einem breiten Lachen. Frau K. möchte ihren ganzen Namen nicht bekannt geben.

Eine Frau steht auf einem Balkon
Legende: Manchmal habe sie die Nase voll, auch wenn es ihr jetzt gut gehe, sagt Frau K. Der Besuch ihrer Bezugsperson helfe ihr. Michael Sahli/SRF

Frau K. war jahrelang suchtkrank, nahm Heroin. Nun hat sie die Drogenabhängigkeit im Griff – das Heroin-Abgabeprogramm hilft ihr dabei. Hinzu kommt aber eine schwere Lungenkrankheit, wegen der sie auf Sauerstoff aus der Flasche angewiesen ist. Sieben Jahre lang lebte sie in einem Alters- und Pflegeheim. Dank der Stiftung Contact kann sie seit einem Jahr selbstständig in einer Wohnung leben. Putzen, den Haushalt machen – das mache sie selber, erzählt Frau K.

Ich möchte selber entscheiden, was ich machen will und nicht nur im Bett liegen.
Autor: Frau K.seit einem Jahr nicht mehr im Altersheim

Das ist nur möglich, weil sie Unterstützung von der Stiftung Contact erhält. Einmal in der Woche kommt eine Bezugsperson zu ihr und hilft ihr zum Beispiel bei der Post: «Wenn ich das Gefühl habe, in einem Brief steht etwas drin, das ich nicht lesen möchte, warte ich auf die Bezugsperson, damit sie es mir vorliest.» Vor allem aber bringe die Bezugsperson ein offenes Ohr mit. «Wenn es mir einmal schlecht geht, kann ich mit ihr darüber sprechen», sagt Frau K. So sei sie nicht ganz alleine. Und seit sie selbstständig wohnen könne, sei sie nie mehr im Spital gewesen.

Nicht jeder Suchtkranke ist für das Projekt «Begleitetes Wohnen» der Stiftung Contact geeignet. «Die Personen müssen gewisse Regeln einhalten können und kooperativ sein», sagt Othmar Steiner von der Stiftung Contact. Im Durchschnitt sind die Leute, die Hilfe von der Stiftung erhalten, 35 Jahre alt und haben meist länger als zehn Jahre Suchtmittel konsumiert.

Diese Leute haben Mühe, eine Wohnung zu finden, weil ihre Betreibungsregisterauszüge ziemlich voll sind.
Autor: Othmar SteinerContact Wohnen

Wegen ihrer langen Sucht wurden sie teilweise mehrmals betrieben und finden so oft keine Wohnung. Hier springt die Stiftung ein. Es sei aber nicht immer einfach, Wohnungen für die Drogenabhängigen zu finden, so Steiner. Vor allem weil der Wohnraum in den Städten allgemein sehr gefragt ist. Aus diesem Grund werde die Stiftung als Vermittlerin wohl künftig noch gefragter sein.

Der Wohnungsmarkt hat sich verändert

Vor 25 Jahren, kurz nach der Räumung der offenen Drogenszene in Bern, hat die Stiftung für Suchthilfe Contact angefangen, Drogensüchtige auf ihrem Weg zurück ins Leben zu begleiten. Zum Beispiel beim Wohnen. Ihr Klientel habe sich in den letzten 25 Jahren aber verändert, sagt Othmar Steiner. Das Problem heute sei nicht mehr die körperliche, sondern die psychische Verfassung der Klientinnen und Klienten. Für solche Leute sei es schwierig, eine Wohnung in der Stadt zu finden.

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