Ein Drittel des Walliser Wasserstroms bleibt im Wallis hängen

Kraftwerke in den Walliser Bergen liefern etwa 40 Prozent der Wasserkraft unseres Landes. Aber rund ein Drittel dieser Energie erreicht den Rest der Schweiz nicht, weil die Höchstspannungsleitungen zu wenig Kapazität haben. Jetzt will Swissgrid mehr Power auf der Leitung von Chippis nach Bickigen.

Das Mittelland und die Ballungszentren brauchen viel Strom. Die grossen Walliser Kraftwerke könnten ihn liefern. Besonders, wenn ab 2018 das neue Pumpspeicherkraftwerck Nant de Drance in Betrieb geht. Aber zwischen Stromproduzent und Konsument gibt es einen Engpass.

Nämlich die Höchstspannungsleitungen, die diesen Strom quer durchs Land transportieren sollten. Sie haben die nötige Kapazität nicht mehr und ein Ausbau dieses Netzes war in den letzten Jahrzehnten nicht möglich. Ein Problem für die Landesversorgung.

«Einen Drittel der Walliser Wasserkraft bringen wir gar nicht in die Nordschweiz», bilanziert Philippe Meuli von Swissgrid, der Netzgesellschaft des Bundes. «Ein Ausbau ist jetzt dringend notwendig.»

Gleiche Leitung, aber mehr Leistung

Jetzt orientiert Swissgrid Gemeinden und Umweltverbände über ihre Pläne, dieses Verteilproblem zu lösen. Swissgrid will auf der bestehenden «Gemmileitung» von Chippis (VS) nach Bickigen bei Burgdorf (BE) mehr Energie transportieren. Statt 220'000 Volt wie bisher würden die Leitungen 380'000 Volt weiterleiten.

Dafür wurde die Gemmileitung zu Beginn der 1960er Jahre nämlich gebaut. «An der Linienführung und den Masten ändert gar nichts. Nur an der transportierten Leistung», versichert Swissgrid-Projektleiter Fritz Hug

Die neuen Gesetze gelten

Allerdings gelten seit 2001 neue gesetzliche Schutzbestimmungen - und die müssen eingehalten werden, auch wenn die 380'000-Volt-Leitung vor über 50 Jahren eigentlich schon bewilligt wurde. Die wichtigsten Stichworte dazu:

  • 30 der 297 Masten werden erhöht, damit zwischen Boden und Leitungen mindestens 12,3 Meter Distanz vorhanden ist. Damit lassen sich die heute aktuellen Grenzwerte für elektrische Strahlung und Magnetfelder und die Bestimmungen des Lärmschutzes einhalten. Je nach Witterung brummen oder zischen Hochspannungsleitungen.
  • Die Kabel zwischen den Masten werden stärker gespannt. Damit entsteht nochmals mehr Raum zwischen Leitungen und Boden. Dafür müssen Masten und Fundamente verstärkt werden.
  • Wenn Häuser, Siedlungen oder ähnliches in der Nähe sind, werden Kabel mit dickerem Querschnitt eingezogen. Auch diese Massnahme mildert Strahlung und Lärm.

Für Projektleiter Fritz Hug steht fest, dass mit diesen und weiteren Massnahmen die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Swissgrid hofft, dass diese «Fitnesskur» für die Gemmileitung bis ins Jahr 2020 abgeschlossen ist.

Allerdings weiss auch Swissgrid um den Widerstand in vielen Gemeinden und Umweltverbänden. «Wir wollen nicht, dass die Masten höher werden. Es ist eine Frage des Landschaftsschutzes», sagt Peter Lehmann von Pro Natura.

So müssen die Umweltverbände abwägen, was sie akzeptieren im Konflikt zwischen Landschaftsbild, Versorgungssicherheit und Gesetzesbestimmungen. Sie können ein ohnehin langwieriges Plangenehmigungsverfahren über mehrere Instanzen bis vor Bundesgericht ziehen. Das würde mindestens zwei Jahre mehr in Anspruch nehmen.