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Thomas Gysi zum Ende der Schokoladefabrik: «Auch ich habe Fehler gemacht.»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 12.01.2020.
abspielen. Laufzeit 15:16 Minuten.
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Ende einer Ära Thomas Gysi über das Scheitern als Schokoladeproduzent

Nach über 70 Jahre stellt der Berner Schokoladeproduzent Gysi den Betrieb in Bümpliz ein. Trotz vielen Aufträgen reicht das Geld nicht für nötige Investitionen. Betroffen sind rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Firmenchef Thomas Gysi im Gespräch über das Ende einer Ära.

Thomas Gysi

Thomas Gysi

Managing Director Gysi AG Chocolatier Suisse

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Thomas Gysi führt das Familienunternehmen Gysi AG in Bümpliz in der 3. Generation. Aufgebaut hat die Firma sein Grossvater, der ab 1931 in der Innenstadt ein viel beachtetes Tea Room mit Confiserie betrieb. 1948 wurde die Produktionsstätte an ihrem heutigen Standort in Bern-Bümpliz eröffnet.

SRF: Thomas Gysi, Anfang Woche informierten Sie Belegschaft und Öffentlichkeit über das Ende Ihres Unternehmens. Wie geht es Ihnen?

Das ist eine gute und auch eine schwierige Frage. Ich bin gegenwärtig in einem Modus, wo ich die volle Tragweite vielleicht noch gar nicht erkenne. Weil ich diese Woche stark eingebunden war in Gespräche mit Kunden, Lieferanten oder Partnern. Ich war sehr belastet.

Ist Ihnen die Tragweite des Entscheids denn schon bewusst oder lässt man das noch auf der Seite?

Ganz auf der Seite lassen kann man das nie. Als Unternehmer kann man nie einen Knopf drücken und dann ist man im Privatleben, an einem komplett anderen Ort.

Dennoch ist es auch wichtig einen gewissen Abstand zu gewinnen. Und das gelingt mir den Umständen entsprechend nicht so schlecht. Gerade auch durch meine Kinder.

Geben Ihre Kinder Ihnen denn die Kraft, die Sie jetzt brauchen oder Ablenkung?

Meine Tochter ist 21 Monate alt und springt mir entgegen, wenn ich nach Hause komme. Da kann man ganz leicht alles rundum vergessen. Mein Sohn ist 14 Jahre alt. Der erfasst in der ganzen Tragweite, was dieser Schritt bedeutet.

Nämlich?

Er hat es ruhig aufgenommen. Aber ich kenne es selber von mir. In einem gewissen Alter hat man das Gefühl, selbstverständlich werde man einmal in die Firma eintreten.

Aktiv bin ich seit 15 Jahren dabei. Aber irgendwie war ich schon immer ein Teil des Unternehmens

Das ist nun schon eine spezielle Situation. Er ist damit aufgewachsen, dass die Firma da ist. Und jetzt soll sie plötzlich verschwinden.

Sie selber führen die Firma in der 3. Generation. Ihr Vater und andere Verwandte haben die Firma von Ihrem Grossvater übernommen. War die Fabrik auch für Sie schon früh ein Zuhause?

Aktiv bin ich seit 15 Jahren dabei. Aber irgendwie war ich schon immer ein Teil des Unternehmens. Ich erinnere mich, wie wir früher bei unseren Grosseltern zu Besuch waren, die ihre Wohnung über der Fabrik hatten.

Auch ich habe Fehler gemacht

Und da waren wir am Wochenende natürlich auch in den Räumlichkeiten, fuhren mit dem Pallet Trolley durch die Räume und naschten. Etwas, was heute natürlich undenkbar wäre.

Gysi Schokolade ist vielen nicht bekannt, weil es keine Produkte gibt, die selbstverständlich mit dem Namen Gysi und der Firma verknüpft werden können. Ärgert es Sie, dass Ihnen nie so ein Produkt gelungen ist?

Das war sicher immer wieder ein Thema. Und die Frage, warum es das nicht gebe, wurde auch immer von aussen an uns herangetragen. Aber unsere Strategie war klar: Wir beliefern Kunden mit unseren Spezialitäten, welche diese dann unter ihrem Namen verkaufen.

Das Ende ihrer Firma scheint besiegelt. Machen Sie sich Vorwürfe?

Ich bin vom Typ her jemand, der schon zuerst bei sich hinschaut und sich fragt, was man anders hätte machen können. Auch ich habe Fehler gemacht. Letztendlich war es ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die zum Aus geführt haben. Zum einen das raue Marktumfeld. Und zum anderen der Umstand, dass ich über Jahre hinweg alte Schulden abbezahlt habe und es so jetzt nicht gereicht hat, für die Zukunft genügend Mittel auf die Seite zu legen.

Das Gespräch führte Michael Sahli.

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