Freiwilliges Helfen: Wo liegen die Herausforderungen und Grenzen?

Sie helfen Flüchtlingen auf Griechenland, Erdbebenopfern auf Haiti oder sterbenden Menschen in Bern: Freiwillige. Drei Personen, die tagtäglich mit Freiwilligen zu tun haben, waren am Montagabend zu Gast im MäntigApéro. Sie berichteten, was sie antreibt, sagten aber auch, wo die Grenzen liegen.

Duschen sei so ein Moment, in dem er jeweils kurz innehalten könne, sagt Michael Räber. Der Münsinger ist seit letztem Sommer immer wieder in Griechenland und hilft dort Flüchtlingen. Seinen Job als Computerspezialist hat er zwischenzeitlich an den Nagel gehängt.

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Kritik am Roten Kreuz

Michael Räber, der zusammen mit Freunden Flüchtlingen hilft, kritisiert die grossen Organisationen. Gerade das SRK sei vor Ort zu wenig präsent. SRK-Direktor Markus Mader kontert: «Wir unterstützen lokale Organisationen und helfen im Hintergrund.» Wichtig sei, dass kleine und grosse Organisationen am gleichen Strick ziehen, statt sich zu bekämpfen.

«Im letzten halben Jahr habe ich sicher mehr geweint als je zuvor», so Räber. Es sei aber gerade wichtig, dass man seinen Gefühlen freien Lauf lasse, denn «allzu lange mache man das sonst nicht mit».

Auch Madeleine Lehmann muss ihre Freiwilligen manchmal bitten, einen Schritt zurück zu machen. Sie leitet das Freiwilligenteam «Palliative Care» der Spitex Bern. «So wie ein Arzt einen weissen Schurz trägt und diesen dann abstreift, müssen auch wir immer wieder lernen, uns besser abzugrenzen», so Lehmann.

Als Direktor des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) ist Markus Mader Chef von über 70'000 Freiwilligen. Er war selber als Freiwilliger in Kriegsgebieten im Einsatz und weiss, was solche Einsätze bei einem auslösen können. «Als Koordinatoren von Freiwilligen tragen wir deshalb auch eine grosse Verantwortung», so Mader.